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16 Mai 2021

Regentage

Ewig nichts Neues geschrieben... die Zeit dickte ein, kommt erst langsam wieder in Fluss nach dem langen, verschlafenen, unfrohen Winter und dem zögerlichen Frühling, der Mitte Mai noch nach März schmeckt dieses Jahr.

Trotz der äußerlichen Stagnation untergründigere Bewegungen; Stress, Brüche, Freundschaften reiben sich an Interpretationen der Wirklichkeit, durch Corona geschürt. Sehe Menschen in eine finstere Welt voller dunkler Verschwörungen abtauchen und kann nichts tun.

Andere Freunde tauchen aus dem Dunkel der Vergangenheit auf und sind gleich wieder vertraut. Kurze Episode oder neue Chance? Ich hoffe, letzteres.

Die letzte größere pagane Online-Community, der ich angehörte, hat ihre Pforten geschlossen, eine Neue, zum Teil mit dem gleichen Personal, aber im Durchschnitt jünger, spielerischer, hat geöffnet. Endlich Althexe, denke ich schmunzelnd.

Ansonsten - erlebe zurzeit noch ein Regenurlaub nach dem zu Ostern. Mache Facebook-Pause und habe auf einmal viel Zeit. Lesen, spazieren, erholen. Mehr Sonne wäre trotzdem schön.








11 September 2020

Im Coronium


Die Zeit vergeht, die Zeit verweht, aber ja, es gibt mich noch. Und die Themen sind auch im "Coronium" die gleichen - Freiheit und Sicherheit, feste Strukturen oder eigene Wege. Älter werden, den immer größer werdenden Korb von Erinnerungen auf dem Rücken. Die Verlorenen, die Toten, die ich manchmal nach vielen Jahren noch so schmerzlich vermisse. Wege allein oder zu zweit. Die spirituelle Gruppenzeit verflüssigte sich dagegen schon vor dem Virus. Aber da sind noch Freunde. Und immer da - der beste Ehemann von allen, die Natur, das Schreiben. Das kleine wabernde "Ich" in mir.

Ich bin müde zurzeit und sehne mich gleichzeitig nach einem Neuanfang in beruflichen Dingen. 

Also, alles beim gleichen ;-).

 

01 August 2019

Lammas


Lammas/Lughnasadh ist ein Fest im Jahreskreis, das mich immer eher ratlos zurücklässt, da ich mit der keltischen Mythologie recht wenig anfangen kann. Es ist die Zeit des geschnittene Korns, der reifen Brombeere, der ersten frühen Äpfel.

Für mich gehört Lammas in den Reigen der Erntefeste und markiert gleichzeitig die Zeit des späten, hohen Sommers, ruhig-würdige Löwezeit, die geliebte Phase des Altweibersommers nicht mehr fern. Thema ist bei mir bei solchen Festen meist der Dank.

Heute ging ich lange wandern. Ich liebe wandern, gern auch mit dem werten Gatten oder Freunden, aber mindestens genauso gerne laufe ich alleine, lasse meine Gedanken von der Leine und schaue 7, 10, 12 oder auch mehr Kilometer, was es so denkt in meinem Kopf.

Auf dem Weg schaffte ich es heute ohne Vorsatz, vier Stunden (und 14 Kilometer) darüber nachzudenken, für was ich alles dankbar bin. Ich begann mit all den Umständen, die mir das geliebte Wandern ermöglichen - ich bin körperlich halbwegs fit und habe keine Handicaps, ich kann mir ein bisschen Ausrüstung wie Schuhe, Wanderkarten und so etwas leisten, ich bin in einer beruflichen und familiären Situation, wo ich mir Auszeiten nehmen kann. Ich habe auch keinerlei Angst, alleine unterwegs zu sein, kann mich mit Karte problemlos orientieren.


Und jeder Gedanke zog andere nach sich. So vieles, wofür ich dankbar bin! Ein so guter, lieber Mann, Gesundheit, Freunde, gesicherte Finanzen, Eltern, die mich auf eine Weise prägten, für die ich heute dankbar bin. Selbst schlimme Dinge, für die ich sicher nicht dankbar bin - ich denke an den frühen Tod meines Vaters - wecken dennoch dankbare Erinnerungen: wie Freunde von mir ohne Einladung oder Bitte zur Beerdigung kamen damals, um mir beizustehen. Wie ich in jener Zeit Trost und Freundschaft in der ersten Hexengruppe fand, die meinen Weg kreuzte und für immer veränderte. Auch dafür, dass es mit der universitären Karriere nix wurde, bin ich heute eher dankbar, habe ich doch einen Beruf, der mir viel Freiheit lässt und viel Freude macht.

Ja, ich weiß - nicht alles ist rosarot, das Leben ist kein Ponyhof, die Pole schmelzen, die Nazis erstarken, all so was. Aber das kann ich auf meinem Spaziergang auch nicht einfach so beheben. Aber ich kann mich dran erinnern, was alles gut ist im Leben, in meinem zumindest. Das gibt mir Kraft und Mut, das macht mich stark und bereit, mein Leben weiter selbst in die Hand zu nehmen, zu leben, statt mich leben zu lassen, den Göttern dankend für alles, was ich bisher erhalten durfte.


23 Juni 2019

Sommersonnenwende am Druidenhain

Ein Kurzurlaub im Fränkischen mit dem besten Ehemann von allen. Angetan gewesen - die Natur mit all den Felsen und Höhlen, Blumen und Schmetterlinge, die Kultur mit Burgen, vielen Marias überall und gutem Bier.

Den Druidenhain besucht am Spätnachmittag der Sommersonnenwende. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Energie an einem Ort gespürt; wir waren mal mit dem Hexengesindel da vor über 15 Jahren, daran hatte ich mich erinnert und wollte das noch mal sehen. Lange zwischen den Felsen herumgeklettert, still ein Amulett geweiht.


(Kreidespirale am Stein)

Wir waren nicht allein. Zwei junge Muttis mit Kindern. "Wir müssen noch Diana anrufen", meine ich eine doppeldeutigerweise sagen zu hören. Zwei junge Männer klappern irgendwas im Gebüsch. Auf dem Rückweg ein junger Mann mit Gitarre, der uns mit Merry Meet begrüßt. Verstand ihn erst nicht (sagte der moin moin!?), schalten dann nicht schnell genug und antworten lahm "hallo".

Zögern am Auto, dann doch weggefahren - uns einfach dazuzugesellen trauten wir uns nicht. Die letzten 10 Jahre sind wir zudem etwas eingerostet, zu selten Treffen mit Gleichgesinnten, zu viel Alltagswürgegriff.

Mit viel, viel Sehnsucht heimgefahren, Sehnsucht nach gemeinsamen Ritualen, verrückten Leuten, Lachen am Lagerfeuer, magische Momente, Heidenspaß.




05 Mai 2019

Freiheit

Warme Tage, dann Kälteeinbruch.

Vor einem Monat stellte ich recht plötzlich meine Ernährung von vegetarisch auf vegan um und fand es leichter als gedacht.

Viele Freunde gesehen über die Osterferien, noch mal gemeinsam an den Freund (meinen ersten Freund) gedacht, der letztes Jahr starb. Diese Mahnung wirkt nach. Es gibt so viel, an was ich mein Leben nicht mehr verschwenden will.

Denke in letzter Zeit auch oft über die Paradoxien der Freiheit nach. Als Teenager denkt man ja, Freiheit sei, wenn man ohne Konsequenzen machen kann, was man will. Mit Mitte 40 weiß ich dagegen - Freiheit ist, wenn ich bereit bin, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen. Denn wenn ich die auf anderer abschiebe . "Ich kann nichts für mein Handelns, für meine schlimmen Worte, da sind andere dran schuld!" - bin ich niemals frei.





Einige gute Ansätze im psychologischen Bereich aufgenommen im Laufe des letzten Jahres, nach der gewaltfreien Kommunikation auch ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie).

03 April 2019

Frühling und Wandel

Die letzten Wochen und Monate waren eine anstrengende Zeit.

Im März fühlte ich mich gleichsam in die Teenager-Vergangenheit und die damaligen emotionalen Berg- und Talfahren bei Freundschaften katapultiert.
Ein enger Freund von mir (der, der schon mal 2018 auf Abstand ging), brach die Freundschaft mit mir endgültig ab. Ich sah mich diesmal haarsträubenden Vorwürfen ausgesetzt, die er auch hinter meinem Rücken verbreitete. Es tat natürlich weh, als mir bewusst wurde, dass ich wohl sein Wohlwollen mir gegenüber gehörig überschätzt habe.

Mit ein paar Wochen Abstand fühlt es sich aber erleichternd an, als sei eine Last von mir genommen. Mir ist erst jetzt bewusst geworden, dass besagter Freund viel Energie gekostet hat, viel Aufmerksamkeit einforderte, die mir anderweitig fehlte. Ich trauere nicht - und wunder mich darüber selbst ein bisschen.

Auch beruflich muss ich mich auf ein bisschen Veränderungen einstellen. Das ganze geht zwar genau in die Richtung, die ich wollte - etwas mehr Freiraum beim Brotjob ohne große finanzielle Einbußen, etwas mehr Zeit für andere Dinge (Schreiben?!)- aber schnell nagt auch wieder die Angst an mir, ob ich denn weiter genug verdiene... Dabei ist Geld gar kein aktuelles Problem bei mir.

Einen Wandel, den ich selbst befördere, ist seit kurzem der Versuch, endlich den letzten Schritt vom Vegetarismus zum Veganismus zu gehen, Ich will nicht bei jedem Biss in die Käsestulle "das ist falsch!" denken. Eier ekeln mich schon länger. Bisher staune ich, wie wenig ich beim Kochen und Essen verändern muss und welch leckere Alternativen die vegane Küche zu Käse bereithält (Hefeschmelz!).

Eine Gottheit, die sich während der letzten Wochen und Monate recht resolut in mein Leben einmischt, ist Hekate. Es macht mir Freude, wieder mal zu lernen, zu experimentieren, eine Gottheit in mein Leben einzuladen und kennen zu lernen.

Ich merke bei all dem, dass mir Veränderungen nicht leicht fallen. Um so mehr freue ich mich über die schönen beständigen Dinge im Leben - den besten Ehemann von allen, mit dem ich mich von Jahr zu Jahr besser verstehe, meine Freude an der Natur, meine bisher gute Gesundheit, meine freunde an Bewegung, mein guter Draht zu den meisten Menschen um mich herum, und natürlich meine echten Freunde, die mir auch in Krisen loyal beistehen.

Loslassen. Fließen lassen, den Wandel annehmen. Auf dem Zaun wieder ein bisschen Richtung Wildnis rutschen, bevor ich geistig ganz im Dörfli assimiliert bin.

Lernaufgaben für diesen Frühling.






27 Februar 2019

Die ersten Bärlauchspitzen

Ich schreibe nur noch so selten... das letzte Mal Spätsommer, den Novemberbeitrag stellte ich nicht fertig. Veränderungen rumoren immer noch in mir, aber ich weiß wie immer nicht, wohin mit mir, vor allem beruflich. Ich sehne mich gleichzeitig nach mehr (finanzieller) Sicherheit und nach mehr (kreativer) Freiheit. Wüsste nicht, wie ich das unter einen Hut bekommen soll, alldieweil der aktuelle Kompromiss schon ein sehr guter ist.





Aber ich freue mich über erste helle Frühlingstage und Bärlauchspitzen.


22 August 2018

Altweibersommer



Noch ist heiß, das Thermometer zeigt über 30 Grad. Und doch neigt sich dieser lange, heiße Sommer dem Ende entgegen. Ich bin zwar nicht unglücklich über die bald sinkenden Temperaturen, freue mich auf Kürbisse und Maronen und Herbstgeruch und mehr Wandern (die Hitze hat mich wochenlang träge gemacht); andererseits fürchte ich mit jedem Jahr mehr den Winter, die Kälte, die Dunkelheit.

Die Herbstmelancholie hat mich zumindest schon im Griff. Der Tod meines ersten Freundes, von dem ich im Juni erfuhr, wirkt dabei nach. Ich war auf der Beisetzung und war gerührt, dass ich nicht, wie ich dachte, im Bewusstsein dieses ferner Freundes, mit den ich 15 Jahre keinen Kontakt hatte, verschwunden war.

Ich bin nostalgisch gerade, sehe Bilder von dieser Teenagerliebe, sehe Bilder von all den Hexen- und Frauenspiritreffen der letzten 20 Jahre, sehe Bilder von den gemeinsamen Pilzspaziergängen 2017 mit einem lieben Freund, der mir vor einigen Monaten die Freundschaft kündigte. Zwar konnten wir - interessanterweise kurz nach der Mondfinsternis - wieder in einen Modus mit oberflächlichem Kontakt und ohne Vorwürfe zurückkehren, aber mehr wird daraus wohl nicht mehr erwachsen, und auch dieser Freundschaft trauere ich hinterher.

Ein bisschen frage ich mich gerade, was schlimmer ist; wenn man eine öde Jugend und junge Erwachsenenzeit hatte und alles verpasste, was spannend und aufregend war; oder wenn die Zeit so voller Abenteuer und Wunder steckte, dass im mittleren und älteren Erwachsenenleben kaum noch etwas mithalten kann.

Gleichzeitig bin ich seit Wochen unruhig, ungeduldig. All die kleinen Anforderungen des Alltags von Erwerbsarbeit bis Steuerklärung gehen mir auf die Nerven. Statt dessen will ich wieder kreativ schreiben, nein: es nicht nur wollen, sondern tun. Den Anfang und das Ende einer großen Geschichte, die mir schon jahrelang im Kopf herumspukt, habe ich wie im Rausch in die Tasten gehauen. Nun fehlen „nur noch“ die paar hundert Seiten dazwischen, die mir schwerer fallen und sich zäher gestalten. Aber es hilft, die Unruhe und Nostalgie zu kanalisieren.

Ob das hier überhaupt noch jemand liest? Bloggen ist ja fast so rückwärtsgewandt, als würde ich den Text in Steintafeln meißeln. Aber wenn du, Leserin, Leser, mit mir ein Stück Vergangenheit geteilt hast, schreib mir doch mal eine E-Mail! (Das ist so eine Textnachricht, die vor Whatsapp verbreitet war.) Ich würde mich freuen.

14 Juli 2018

Wandern und Spiritualität

Meine Ferien neigen sich zu Ende, und die Wochen fernab des geliebten und doch so absorbierenden Berufsalltags haben gut getan - so gut, dass ich mich mal wieder frage, wie ich (noch) mehr Ich-Zeit in mein Leben integrieren kann. Leider ist es auch für einen Freiberufler nicht immer ganz leicht, die Arbeit beliebig zu reduzieren, ohne Gefahr zu laufen, einen Auftraggeber zu verlieren.


So dachte ich heute bei einer etwas längeren Wanderung, 12 Kilometer über Höhenwege durch die Wälder... Der wilde Ehemann hatte ausnahmsweise keine Lust, mitzuwandern - die Ferien über waren wir viel gemeinsam unterwegs gewesen und haben auch recht herausfordende Touren bezwungen - und so war ich, auch angenehm, mal wieder allein mit mir und meinen Gedanken. Machte einen Abstecher zum einem Kultplatz und diesem nahem Opfersteinen (ich nenne sie mal so wegen der "Schüsseln", in denen ich auch öfter Opfer finde - diesmal Glassteinchen und eine Muschel, der ich ein wenig mageren Weizen - die Trockenheit! - und ein paar Kräuter hinzugesellte).

Ich dachte unter anderem darüber nach, dass meine Spiritualität seit ihrer Wiedererweckung 1999/2000 jetzt volljährig geworden ist und ich zur gleichen Zeit - 1999 -  auch mit dem Wandern begann. Damals war das verbindende Element (und ist es geblieben) die Liebe zu besonderen Orten, Kultplätzen, aber auch der Natur allgemein. (Und beides betrieb ich auch schon als Kind; liebte alles mit Magie, aber auch lange einsame Spaziergänge an stillen Sonntagmorgen. Doch zwischen 15 und 25 verlor ich den Faden...)

Und so, wie ich über die Spiritualität, die Magie und den Austausch mit all den interessanten Menschen, ob nun aus dem Gesindel, den Frauenspiri-Mondgruppen oder auch jetzt durch das HZ-Forum immer mehr zu mir fand und finde, stabiler und reifer wurde und werde, so tut mir das Wandern körperlich gut. Bislang bescheinigen mir Ärzte bei jedem Check trotz meiner überflüssigen Pfunde hervorragende Werte von Ruhepuls über Blutdruck bis Blutzucker, ja, sogar Leberwerte - dabei wird aus mir kein Asket mehr werden - und ich glaube, das verdanke ich dem Wandern.

Aber auch für die Seele tut das Laufen so viel. Ich kann meine Gedanken einfach galoppieren lassen, Frust abbauen, so nötig, aber auch meditieren, mich von den Füßen hintragen lassen, wohin sie wollen und mich über überraschende Ideen und Gedanken freuen, die irgendwann durch mein Hirn purzeln. (Die Intelligenz, las ich mal, verbessert sich beim Wandern messbar, da das Gehirn besser durchblutet wird.)

Heute habe ich zum Beispiel darüber nachgedacht - Stichwort Volljährigkeit - wie angenehm es für mich ist, mit Mitte 40 nicht nur grauer und faltiger, sondern auch reifer und erwachsener zu werden, auch durch schmerzhafte und bittere Zeiten hindurchgehen zu können und doch meist bei mir zu bleiben oder zumindest schnell zu mir zurückzufinden. Nicht in kindische Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid zu verfallen, sondern den Schmerz annehmen, durchleben, versuchen, seine Lektion zu verstehen, und weitergehen, mit einer (schmückenden?) Narbe mehr auf der Seele.

Ich hatte mich ja in letzter Zeit oberflächlich mit gewaltfreier Kommunikation beschäftigt und auch damit, welche Bedürfnisse ich habe, auch meinen Mitmenschen gegenüber, und mir ist klargeworden - ich erwarte nicht prinzipiell, dass man mich mag, oder versteht, oder gutheißt wer ich bin und wie ich bin. Ich kann oft nur schwer den Film verstehen, der in den Köpfen anderer Leute abläuft, und erwarte daher auch nicht, dass man meinen Film kapiert als Außenstehender.

Was ich aber erwarte, ist Respekt im Umgang mit mir. Und ich bin nicht mehr bereit, mangelnden Respekt zu tolerieren.

So dachte ich, und stapfte dabei immer weiter, und dachte, das könnte ich doch auch mal wieder in den Blog schreiben statt die gekürzte Weichspülversion in den sozialen Netzwerken.


16 Juni 2018

Stumm

Wochen, Monate, der Blog bleibt leer. Ich fragte mich angesichts Datenschutzverordnungen, ob ich ihn überhaupt noch befüllen kann, wüsste aber nicht, was dagegen spricht. Außer, dass hier sicher kaum noch jemand mitliest.

Das Internet wird nichtsdestotrotz um mich rum immer lauter, und ich immer leiser. Kann den Pöbel auf den sozialen Netzwerken kaum noch ertragen, der einem jeden Tag mit vielen Ausrufezeichen !!1!!1 Gift und Galle entgegen schleudert. Poste fast nur Naturfotos dort und versuche ab und zu mal was zu posten, was ein wenig zum Nachdenken anregt.

Rede viel mit halbfremden Menschen, beobachte mich manchmal schmunzelnd selbst, wenn ich merke, mit wem ich alles unvermutete Schnittmengen finden kann.

In den letzte Wochen und Monaten spüre ich wieder, wie sich die Strömungen de Schicksals verändern. Unruhe, auch beruflich. Ich arbeite viel, verdiene für meine Verhältnisse viel, möchte aber gerne kürzer treten, mehr Zeit für mich, für meine Kreativität, meine Wanderungen, meine Spiritualität haben. Da der beste Ehemann auch besser verdient, sollte das finanziell problemlos möglich sein, Ich brauche ja nicht viel unnötigen Schnickschnack.

Beziehungen verändern sich. Eine schöne Freundschaft mit einem Mann endete schmerzhaft und abrupt und aus mir unverständlichen Gründen. Eine andere schöne Freundschaft mit einer lieben Frau bahnt sich gerade an. Ich lasse wachsen, ohne zu forcieren.

Was ich nicht mehr will in Freundschaften - diskutieren, wer an was schuld hat, das Hin und Her, welcher verzerrte Film im Kopf der "Wahre" ist. An so was konnte ich theoretisch schon vor 25 Jahren als Konstruktivistin nicht glauben.

Dann ein Schock. Ein mir wichtiger Mensch aus fernen Tagen ist jung gestorben. Das macht mir bewusst, dass ich mein Leben jetzt, heute so führen sollte, wie ich will. Kompromissloser. Ja, ich bin zufrieden, aber ich will weniger Zugeständnisse machen.


14 Juli 2017

Sommergedanken

Wieder einmal lange diesen Blog vernachlässigt. Aber zu schnell kleistert man sich die Zeit voll, entweder mit Arbeit und anderen Aufgaben (jedes Jahr muss ich mehr Ehrenämter und freiwillige Aufgaben abwehren, und manchmal bleibt doch was hängen) oder aber mit sinnlosen Herumgegucke im Internet, vor allem in den sozialen Netzwerken. Und dann gibt es noch die Steuer und das Renovieren und den Garten ...

Dazu ein bisschen Kränkeligkeit, und all das hat meine Energiereserven mal wieder bedenklich geleert, und mein Körper reagiert mit den üblichen aufmüpfigen Macken.

Ja, ich habe dich gehört, Körper! Daher bin ich gerade dabei, herunterzuschalten und ein paar Wochen Auszeit zu nehmen (auch wenn die nicht ganz Aus sein werden, denn einiges bleibt noch zu tun) und auch wieder mehr Zeit finden, draußen herumzulaufen.

Nein-Sagen war in letzter Zeit mehrfach mein Thema . Aufgaben im Ehrenamtsbereich zurückschrauben, auch mal Arbeitsaufträge ablehnen, aktuell eine Wanderführung an andere weiterreichen, weil ich erkältet bin und mir das einfach zu anstrengend wäre.

Und doch geht es mir eigentlich schon lange ziemlich gut.

Solche Phasen des "Too Much" wechseln ab mit Ruhephasen, Expansion nach Außen mit solchen, wo ich mich wieder in mich mehr zurückziehe, zurückbesinne. Spirituelle Phasen, so wie Beltane mit Freunden, auch wieder neue Kontakte in dem Bereich, und dann auch wieder Zeiten, wo der Alltag, der Beruf sehr klar dominieren, veränderte, sich wandelnde Rollen in der Beziehung, ich eine Zeit Fast-Hausfrau, jetzt hat der beste Ehemann von allen viel freie Zeit und nimmt mir, die ich arbeiten muss, viel ab. In Bewegung bleiben, flexibel, nicht festfahren. Auch meine Arbeit geht ihren Jahreskreis, jedes Jahr das gleiche und doch wieder alles neu.

Und mir werden mit jedem Jahreskreis die Beinmuskeln stärker und die Haare grauer. Mir ist bewusst, dass ich den Lebenszenit jetzt mit Anfang, Mitte 40 langsam überschreite, aber das ist ok.



07 März 2017

Regenzeit

Regen, Regen und die ersten Wildkräuter. Der wilde Ehemann hat sehr viel mehr zu tun als sonst bei der Arbeit, ich dafür zurzeit weniger.

Und wie es so ist, macht mich die relativ große Menge an Freizeit unruhig (natürlich auch die üblichen "wie wird es mit dem Job generell weitergehen"- und "Verdiene ich genug"-Sorgen, wobei letzteres durch die Mehrarbeit des Liebsten mehr als ausgeglichen wird). Ja, theoretisch hatte ich natürlich gedacht, mehr Zeit würde automatisch ins kreative Schreiben fließen und ich ein paar neue Storys oder Gedichte produzieren, statt dessen grübele ich zu viel über alles mögliche nach.

Immerhin, ich hausarbeite auch mehr als sonst, was dazu führt, dass unsere neue Wohnung - wird sind vom Untergeschoss in die ehemalige Wohnung meiner Eltern gezogen im gleichen Haus - noch nicht so ein arges Staubmäuse-Spinnweben-Nest ist wie die davor. 





31 Januar 2017

Ende Eiszeit?

Die letzten Wochen und Monate waren kalt, eine ungewöhnlich dauerhafte Schneedecke und strenger Frost herrschten hier. Nun taut es, regnet; der Winter ist noch nicht vorbei, aber langsam werden die Tage spürbar länger; Imbolc/Brigid/Lichtmess steht vor der Tür.

Mir fällt es seit meiner Grippe Anfang des Jahres etwas schwer, in die Puschen zu kommen. Im Gegensatz zum besten Ehemann von allen, der gerade sehr viel arbeitet, wurschtel ich eher so vor mich hin; die Auftragslage zieht auch jetzt erst wieder an. Ich hoffe, dass mit mehr Licht und Wärme auch wieder mehr Motivation kommt, mich ins Leben und in die Arbeit zu stürzen.

Vielleicht sind es ja auch die Horrormeldungen aus Amerika ("Heute hat Trump angeordnet...") und das dauernde Lesen bescheuerter Dinge in den sozialen Medien, die mich dazu bringen, mich am liebsten verkriechen zu wollen. Ich zögere inzwischen auch nicht mehr, Hater und Hasstrolle zu blockieren, die Nazikram herumposaunen. Im "echten Leben" würde ich denen doch auch nicht geduldig zuhören - wieso sollte ich deren Ausländerhass oder Frauenhass auf Facebook und Co. geduldig ertragen?

Dabei gibt es auch dieses Jahr einige interessante Projekte für mich; neben meinem Job und meinen Wanderführungen, meinen Wegemarkierungen und meiner neuen ehrenamtlichen Tätige im Ort werde ich auch im Herbst einen kleinen Ausflug in die Kulturszene hier wagen, diesmal aber als Akteurin, nicht als Berichterstatterin. Auch der beste Ehemann von allem will sich wieder dem Theaterspiel widmen.

Ich hätte nie gedacht vor zehn oder 20 Jahren, dass ich mal so unmerklich und doch intensiv in die Gemeinschaft der Menschen hier hineinwachse. Und noch weniger hätte ich gedacht, dass es gut tut. 


Eisbach noch vor einer Woche.

05 Januar 2017

Jahreswechsel

Eigentlich hatte ich dieses Jahr gar nichts am Hut mit Besinnung, Raunächten und so weiter. Zu viel Trubel, Weihnachten bei Schwiegerfamilie, Silvester mit Freunden, zwischen den Jahren überraschend viel Arbeit... da hatte ich für Räuchern, Träume aufschreiben und all das gar keinen Kopf.
Dann hat mich an Silvester aber ein böser Virus ausgeknockt, und kaum, dass meine Gäste schliefen oder heimgingen, war bei mir Sense. So musste ich mir doch einige Tage frei nehmen und kürzer treten, ob ich wollte oder nicht, und es tut doch sehr gut - dicke dicke Bücher lesen, Tee trinken und sich vom besten Ehemann von allen ein bisschen bedienen lassen.
Wenn ich auf 2016 zurückblicke, das ungeliebte schwitzige Jahr mit der schiefen Nase und den Pickeln, muss ich sagen - ja, mich hatte es auch ganz schön gebeutelt, aber vieles war auch positiv, hat sich stabilisiert.
Da war der Tod der Mutter, nichts, was man einfach so übergeht, auch wenn ich schon so oft um sie getrauert hatte, dass mir ihr endgültige Scheiden nicht so weh tat, wie es vielleicht sonst getan hätte.
Das ist meine Beziehung, die gerade ihr 25jähriges Bestehen feierte und die selten so harmonisch verlief wie dieses Jahr. Danke, Schatz :-)
Da sind meine Freunde, die ich schätze, die mir zur Seite stehen und die ich nicht missen will.
Da waren Umwälzungen in der Arbeit, die mir leider einen geschätzten Kollegen nahmen, aber im Endeffekt weniger Arbeit bei gleichem oder mehr Gehalt bescherten.
Da war die Wohnsituation, die sich nach Auszug aller Chaosmieter 2015 erfreulich gestaltet hatte; mit dem letzten verbliebenen Mieter im Haus läuft alles harmonisch und stressfrei. Wir wohnen nun in jener Wohnung, in der ich früher aufwuchs, werkeln herum und fühlen uns wohl zwischen leicht schiefen Böden, unserem Kram und viel 60er-Ambiente. Ich sehe in vielem die Handschrift meines Vaters, des Architekten – so wurde auch der Sonnenstand zu verschiedenen Jahreszeiten in die ganze Planung einbezogen.



Da ist die Gesundheit, über die ich mich nicht beklagen kann, auch wenn ich stoisch weiter meine nicht unbeträchtlichen Kilos mit mir herumtrage. Ich hatte 2016 relativ wenig Alkohol getrunken, in der Fastenzeit gar keinen, und auch mal längere Zeit auf Zucker verzichtet. Am Gewicht hat es nichts geändert, aber ich bin so oder so recht fit, wandere viel und lang und habe meist einen Ruhepuls um die 60.

Da ist mein Selbstbewusstsein, das mit den Jahren immer besser wird, weil ich mich inzwischen so mag, wie ich bin, und das andere anzustecken scheint (oder ich bin inzwischen ignorant gegen die Antipathie anderer, die mir nicht nahe stehen, was mir aber auch egal ist, ehrlich gesagt). Ich bin mit jedem Jahr weniger irritierbar, selbstbewusster, kann sehr strukturiert sein, wenn es sein muss. Das kleine linke Hippiemädchen von damals kann inzwischen gut mit Steuererklärungen. Aussöhnung mit dem Saturn am Aszendenten, jaja, gleichzeitig immer wieder die prüfende Frage der Zaunreiterin, wie ich diese Position behalte, ohne ganz in die Wildnis oder das Dorf hineinzufallen. Bisher gelingt es gut.

Da sind meine Hobbys, die sich vor allem im Ehrenamtsbereich durchaus ausdehnen. Ich verwurschtel mich enger mit den Menschen hier, und das tut gut. Ich erforsche Vergangenheit, auch die eigene, und plane, mal östlich der deutschen Grenze jene Gebiete zu erkungen, wo die Vorfahren von mir und dem besten Ehemann von allen zum Teil herstammten.

Da ist die Spiritualität, die 2016 durch den Besuch eines Hexentreffens mit anderer Besetzung einen ganz neuen interessanten Impuls erhalten hat.

Materiell geht es mir gut, auch wenn ich von einem Durchschnittsgehalt weit weg bin. (Von einer Winterkornrente erst recht, haha.) Aber zurzeit brauche ich nicht mehr. Ich wohne sehr schön und habe, was ich brauche - was soll ich mich grämen, dass ich keine 3000, 4000 Euro verdiene? Gut, ein kleiner Schreck war der Rentenbescheid vor einigen Wochen, der mir einen halben Hartz-IV-Satz prognostizierte, aber nur, wenn ich nicht nachlasse im Geldverdienen! Aber ehrlich gesagt mache ich mir darüber erst mit - 67? 72? 75? - Sorgen, wenn meine Generation in Rente gehen darf ;-).















24 Oktober 2016

Wandelzeit

Nach einem sommerlichen September ist nun der Herbst seit Anfang Oktober hier auch vom Wetter her spürbar, und seit einigen Tagen schlägt auch die Färbung der Wälder um ins Bunte. Samhain steht vor der Tür; ich habe mir ein paar Tage freigenommen, will ein bisschen dem Abschluss und dem Wechsel nachspüren, Wandern, vielleicht auch 1-2 Renovierungsarbeiten angehen (aber ehrlich gesagt habe ich dazu gerade gar keine Lust).

Das Jahr hatte viele Herausforderungen und Tränen gebracht, vor allem durch den Tod meiner Mutter; aber jetzt ist alles gut. Ich spüre, dass Dinge neben den alltäglichen Anforderungen von Job und Gedöns in meinem Leben wieder wichtiger werden - die Kreativität, die Magie.

Das letzte Wochenende hatte ich mit dem besten Ehemann von allen auf einem Hexentreffen verbracht. Ich habe gemerkt, dass mir das gefehlt hat, seit meine anderen spirituellen Bezugsgruppen auseinanderfielen oder sich zu gemütlichen Treffen mit Freunden veränderten. Ich habe viele neue Impulse mitgenommen und 1-2 Vorurteile über Bord geworfen. Es waren zwei sehr kraftvolle, und dennoch harmonische Tage. Ich freue mich sehr, bin dankbar.




01 September 2016

Hundstage und Frühherbst

Zwei Wochen Urlaub genossen, viele Ausflüge in Odenwald und Pfalz unternommen. Und auch danach erlebe ich noch eine ruhige Zeit, die geprägt ist vom Sommerloch, vielen Festen in der Region, warmen Tagen, guten Büchern und ersten gelben Blättern.

Ich konnte durchatmen, einige anstrengende bürokratische Dinge, die noch mit dem Tod meiner Mutter zusammenhingen, erledigen. Meine Steuer machen. Solche Sachen. Ich habe das Gefühl, einiges hat sich in meinem Leben wieder zurechtgeruckelt. Sogar der Boden im Haus fühlt sich wieder fester an, der mir zeitweise im Frühjahr zu schwimmen schien.

Mit weniger Arbeit über ein paar Wochen (und damit weniger Honorar) geht natürlich auch immer Sorge einher. Wird es auf Dauer reichen, damit über die Runden zu kommen? Und wenn nicht, was mache ich dann? Habe zum Glück noch ein paar Eisen im Feuer und inzwischen viele Kontakte, die sich einmal auszahlen könnten, wenn ich was anderes machen wollen/müssen sollte.

Dennoch auch jetzt im Herbst eine Zeit der ruhigen Wechsels. Möchte wieder mehr kreativ sein, möchte wieder einige Pfunde verlieren. Ich fühle mich zwar wohl, bin gesund und fit, kann stundenlang die Berge hoch- und runterlaufen, aber ehrlich gesagt gefalle ich mir auf Fotos nicht mehr.

Ich denke viel, rede aber weniger. Auch wenn ich in letzter Zeit oft Freunde traf, habe ich manchmal das Gefühl, die Welt an sich (vor allem die lautstarken Diskutanten in sozialen Netzwerken) leben und reden irgendwo anders als in der Welt, in der ich lebe. Ich habe zu fast allen Dingen gemischte und ambivalent Meinungen oder gar keine Meinung. Sehe Dinge so-und-so. Und ich identifiziere mich selten stark mit meinen Ansichten, lasse sie auch ziehen, wenn ich eines besseren belehrt werde. Und wofür überhaupt alles bewerten....

Vielleicht ist das die Spätfolge von den kleinen Dosen Zen-Buddhismus, mit denen ich meinen Geist seit vielen Jahren hin und wieder füttere.

Der Vorteil von meiner ambivalenten Ignoranz - ich rege mich weniger auf, habe weniger Angst. Das hat vielleicht noch einen Grund: Ich beschäftigte mich in letzter Zeit viel mit der lokalen Vergangenheit. Dabei denke ich immer, wie gut wir es heute und hierzulande doch haben. 

Wie wir doch durchatmen und aus den aktuellen Bedingungen so was Tolles machen können, statt zu jammern, wie schlimm alles ist.

Ich versuche, meinen Weg zu gehen, jetzt zu leben, statt sinnlos über eine Alterssicherung nachzudenken, und mich nicht in die ganzen Ängste und Aggressionen einbinden zu lassen, aber dennoch rationale Entscheidungen zu fällen. Hippie mit Immobilie sozusagen ;-).

(Gesehen in Wachenheim)


22 Juni 2016

Wie das Wetter

Das Jahr ist für mich bisher wie das Wetter - zu kalt, zu nass, zu gewittrig, anstrengend mit einem Wort.

Ich arbeite mich mühsam an Baustelle nach Baustelle ab, an deren Entstehen ich meist keine oder nur wenig Shculd trage, und bin erschöpft und verspannt und schlafe schlecht. Alles mühsam und zäh gerade... gut, dass es den besten Ehemann von allen gibt und die Wälder zum darin herumwandern.

Nichtsdestotrotz - oder gerade deswegen - auch mal wieder ein paar rituelle Momente zur Sonnenwende mit Kräuterbuschen und kleiner Anrufung.






30 Mai 2016

Summer rain

Die letzten Wochen waren einfach nur anstrengend. Einige Dinge laufen nicht so, wie ich mir das wünsche, und ich ärgere mich, weil ich daran nicht ganz unschuldig bin, und ärgere mich außerdem, weil es mir trotz 17 Jahren Esokram nicht gelingt, mich zu entspannen, loszulassen und zu vertrauen, dass schon alles gut wird. Statt dessen Grübeln, Sorgen, Kopfkino und Tinnitus. Ich habe gleichzeitig das Gefühl, dass mich mein Leben ein bisschen durchrütteln will, damit ich nicht zu sehr verfestige, sondern weicher, flexibler bleibe. Wer weiß.

Bei mir gibt es auch weiter einige Unsicherheiten im Bereich Beruf/Zukunft des Hauptauftraggebers, aber auch das ganze Prozedere rund um das Erbe meiner Mutter gestaltet sich schwieriger und vor allem viel langatmiger als erwartet.

Dabei geht es jetzt nicht um existenzbedrohende Dinge, nur um Nerverei und einige unnötige, aber bewältigbare Kosten. Außerdem muss ich abklären lassen, ob hinter meiner starken Kurzsichtigkeit doch eine Erkrankung steckt. Keine besonders angenehme Vorstellung natürlich. Und ich hatte auch von Ende April bis jetzt eine hohe Arbeitsdichte und bis letzte Woche über eine langen Zeitraum keinen völlig freien Tag.

Jetzt habe ich wieder ein bisschen an der Reißleine gezogene. Ein paar freie Tage gegönnt, Besuch von einem lieben alten Freund, mit dem ich mich intensiver ausgetauscht habe als in den ganzen rund 25 Jahren, die wir uns schon kennen. Schön! Wir waren mit dem besten Ehemann von allen viel wandern, was ja sowieso immer gut tut, und hatten Glück, dass wir in keines der schweren Gewitter der letzten Tage hineingelaufen sind.

Am Wochenende vorher hatten wir einen Abend mit einem anderen alten Freund verbracht und lange geredet. Von dem hatte ich schon lange nichts gehört und mich ehrlich gesagt auch deswegen gesorgt.

Ich bin ja immer froh, dass auch dann, wenn man nicht mehr so zusammenklebt wie früher, die Beziehungen zu einigen Freunden bestehen bleiben, bei manchen sogar die Freundschaft weiterlebt über alle Jahre wie mit meinen engsten Freundinnen.

Um so trauriger macht es mich , wenn Menschen einfach aus meinem Leben verschwinden. Ich kann damit einfach nicht sonderlich gut umgehen, stelle ich fest. Selbst Freunde, mit denen der Kontakt schon vor 10 oder 15 Jahren abbrach, vermisse ich manchmal noch schmerzlich, auch wenn ich genau weiß, dass man wohl nie wieder auf einen gemeinsamen Nenner kommen könnte.






04 April 2016

Später Frühling

Spät, jetzt aber endlich spürbar hält der Frühling Einzug.

Die Fastenzeit habe ich problemlos herumgebracht und mir erfolgreich bewiesen, dass ich alkoholtechnisch wohl nicht sonderlich suchtgefährdet bin.

Über Ostern viele Besuche bei und von Freunden, Familie. Schöne Wanderungen gemacht, allein oder auch mit dem besten Ehemann von allen. Einige Projekte wollen getan werden, ich stelle mich sinnvollerweise beruflich ganz langsam etwas breiter auf, wie man so schön sagt, um nicht von meinem Hauptauftraggeber zu abhängig zu sein.

Und dennoch spüre ich ungefähr seit dem Tod meiner Mutter eine tiefe Melancholie in mir, die gar nicht unbedingt ursächlich mit ihrem Ende ist oder den Behördendingen, die seit dem zu tun sind und von denen einiges noch nicht getan ist (was nicht an mir, sondern der Arbeitsgeschwindigkeit von Nachlassgerichten liegt).

Durch den Tod meiner Mutter bin ich aber inzwischen befreit davon, mich um jemanden kümmern zu müssen, der von mir abhängig ist. Die Frage ist, was fange ich mit meiner Freiheit an? Wie lange wird auch meine Arbeit noch das sein, was ich wirklich tun will? Wie finde ich wieder mehr Platz für Spiritualität, für Kreatives in meinem Leben?

Die Zaunreiterin Bodecea kam die letzten Jahre ganz gut in der Dorfwelt innerhalb des Zaunes zurecht. Nun zieht es sie wieder mehr hinaus auf die andere Seite.



03 März 2016

Fasten-Halbzeit

Ich bin ja keine Christin und deswegen auch nicht sonderlich ambitioniert, vor Ostern zu fasten. Andererseits hat es mich verlockt, doch auch mal bewusst auf etwas zu verzichten und zu schauen, was das mit mir macht.

So habe ich mir vorgenommen, in der Zeit keinen Alkohol zu trinken. Gerade durch den Tod meiner Mutter vor gut vier Wochen bin ich sonst schon versucht, die Gefühle ein bisschen zu betäuben, und das wollte ich nicht.

Mal abgesehen davon, dass ich nach Stresstagen Abends Lust auf ein Bier habe, und der erstaunlichen Tatsache, dass ich viel besser schlafe und nachts fast nie wach liege, spüre ich keinen großen Unterschiede.

Ich denke, es wird mir auch nicht schwerfallen, das ganze bis Ostern weiter durchzuhalten.

Ansonsten bemühe ich mich um etwas weniger Geknurpse und Genasche. Funktioniert so halbwegs, an manchen Abends schaffe ich es, zu Kohlrabistreifen statt zu Nüsschen zu greifen. Jemand meinte neulich zu mir, ich hätte wohl abgenommen, aber ich selbst sehe davon nichts ;-).