11 September 2020

Im Coronium


Die Zeit vergeht, die Zeit verweht, aber ja, es gibt mich noch. Und die Themen sind auch im "Coronium" die gleichen - Freiheit und Sicherheit, feste Strukturen oder eigene Wege. Älter werden, den immer größer werdenden Korb von Erinnerungen auf dem Rücken. Die Verlorenen, die Toten, die ich manchmal nach vielen Jahren noch so schmerzlich vermisse. Wege allein oder zu zweit. Die spirituelle Gruppenzeit verflüssigte sich dagegen schon vor dem Virus. Aber da sind noch Freunde. Und immer da - der beste Ehemann von allen, die Natur, das Schreiben. Das kleine wabernde "Ich" in mir.

Ich bin müde zurzeit und sehne mich gleichzeitig nach einem Neuanfang in beruflichen Dingen. 

Also, alles beim gleichen ;-).

 

01 August 2019

Lammas


Lammas/Lughnasadh ist ein Fest im Jahreskreis, das mich immer eher ratlos zurücklässt, da ich mit der keltischen Mythologie recht wenig anfangen kann. Es ist die Zeit des geschnittene Korns, der reifen Brombeere, der ersten frühen Äpfel.

Für mich gehört Lammas in den Reigen der Erntefeste und markiert gleichzeitig die Zeit des späten, hohen Sommers, ruhig-würdige Löwezeit, die geliebte Phase des Altweibersommers nicht mehr fern. Thema ist bei mir bei solchen Festen meist der Dank.

Heute ging ich lange wandern. Ich liebe wandern, gern auch mit dem werten Gatten oder Freunden, aber mindestens genauso gerne laufe ich alleine, lasse meine Gedanken von der Leine und schaue 7, 10, 12 oder auch mehr Kilometer, was es so denkt in meinem Kopf.

Auf dem Weg schaffte ich es heute ohne Vorsatz, vier Stunden (und 14 Kilometer) darüber nachzudenken, für was ich alles dankbar bin. Ich begann mit all den Umständen, die mir das geliebte Wandern ermöglichen - ich bin körperlich halbwegs fit und habe keine Handicaps, ich kann mir ein bisschen Ausrüstung wie Schuhe, Wanderkarten und so etwas leisten, ich bin in einer beruflichen und familiären Situation, wo ich mir Auszeiten nehmen kann. Ich habe auch keinerlei Angst, alleine unterwegs zu sein, kann mich mit Karte problemlos orientieren.


Und jeder Gedanke zog andere nach sich. So vieles, wofür ich dankbar bin! Ein so guter, lieber Mann, Gesundheit, Freunde, gesicherte Finanzen, Eltern, die mich auf eine Weise prägten, für die ich heute dankbar bin. Selbst schlimme Dinge, für die ich sicher nicht dankbar bin - ich denke an den frühen Tod meines Vaters - wecken dennoch dankbare Erinnerungen: wie Freunde von mir ohne Einladung oder Bitte zur Beerdigung kamen damals, um mir beizustehen. Wie ich in jener Zeit Trost und Freundschaft in der ersten Hexengruppe fand, die meinen Weg kreuzte und für immer veränderte. Auch dafür, dass es mit der universitären Karriere nix wurde, bin ich heute eher dankbar, habe ich doch einen Beruf, der mir viel Freiheit lässt und viel Freude macht.

Ja, ich weiß - nicht alles ist rosarot, das Leben ist kein Ponyhof, die Pole schmelzen, die Nazis erstarken, all so was. Aber das kann ich auf meinem Spaziergang auch nicht einfach so beheben. Aber ich kann mich dran erinnern, was alles gut ist im Leben, in meinem zumindest. Das gibt mir Kraft und Mut, das macht mich stark und bereit, mein Leben weiter selbst in die Hand zu nehmen, zu leben, statt mich leben zu lassen, den Göttern dankend für alles, was ich bisher erhalten durfte.


23 Juni 2019

Sommersonnenwende am Druidenhain

Ein Kurzurlaub im Fränkischen mit dem besten Ehemann von allen. Angetan gewesen - die Natur mit all den Felsen und Höhlen, Blumen und Schmetterlinge, die Kultur mit Burgen, vielen Marias überall und gutem Bier.

Den Druidenhain besucht am Spätnachmittag der Sommersonnenwende. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Energie an einem Ort gespürt; wir waren mal mit dem Hexengesindel da vor über 15 Jahren, daran hatte ich mich erinnert und wollte das noch mal sehen. Lange zwischen den Felsen herumgeklettert, still ein Amulett geweiht.


(Kreidespirale am Stein)

Wir waren nicht allein. Zwei junge Muttis mit Kindern. "Wir müssen noch Diana anrufen", meine ich eine doppeldeutigerweise sagen zu hören. Zwei junge Männer klappern irgendwas im Gebüsch. Auf dem Rückweg ein junger Mann mit Gitarre, der uns mit Merry Meet begrüßt. Verstand ihn erst nicht (sagte der moin moin!?), schalten dann nicht schnell genug und antworten lahm "hallo".

Zögern am Auto, dann doch weggefahren - uns einfach dazuzugesellen trauten wir uns nicht. Die letzten 10 Jahre sind wir zudem etwas eingerostet, zu selten Treffen mit Gleichgesinnten, zu viel Alltagswürgegriff.

Mit viel, viel Sehnsucht heimgefahren, Sehnsucht nach gemeinsamen Ritualen, verrückten Leuten, Lachen am Lagerfeuer, magische Momente, Heidenspaß.




05 Mai 2019

Freiheit

Warme Tage, dann Kälteeinbruch.

Vor einem Monat stellte ich recht plötzlich meine Ernährung von vegetarisch auf vegan um und fand es leichter als gedacht.

Viele Freunde gesehen über die Osterferien, noch mal gemeinsam an den Freund (meinen ersten Freund) gedacht, der letztes Jahr starb. Diese MAhung wirkt nach. Es gibt so viel, an was ich mein Leben nicht mehr verschweden will.

Denke in letzter Zeit auch oft über die Paradoxien der Freiheit nach. Als Teenager denkt man ja, Freiheit sei, wenn man ohne Konsequenzen machen kann, was man will. Mit Mitte 40 weiß ich dagegen - Freiheit ist, wenn ich bereit bin, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen. Denn wenn ich die auf anderer abschiebe . "Ich kann nichts für mein Handelns, für meine schlimmen Worte, da sind andere dran schuld!" - bin ich niemals frei.





Einige gute Ansätze im psychologischen Bereich aufgenommen im Laufe des letzten Jahres, nach der gewaltfreien Kommunikation auch ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie).

03 April 2019

Frühling und Wandel

Die letzten Wochen und Monate waren eine anstrengende Zeit.

Im März fühlte ich mich gleichsam in die Teenager-Vergangenheit und die damaligen emotionalen Berg- und Talfahren bei Freundschaften katapultiert.
Ein enger Freund von mir (der, der schon mal 2018 auf Abstand ging), brach die Freundschaft mit mir endgültig ab. Ich sah mich diesmal haarsträubenden Vorwürfen ausgesetzt, die er auch hinter meinem Rücken verbreitete. Es tat natürlich weh, als mir bewusst wurde, dass ich wohl sein Wohlwollen mir gegenüber gehörig überschätzt habe.

Mit ein paar Wochen Abstand fühlt es sich aber erleichternd an, als sei eine Last von mir genommen. Mir ist erst jetzt bewusst geworden, dass besagter Freund viel Energie gekostet hat, viel Aufmerksamkeit einforderte, die mir anderweitig fehlte. Ich trauere nicht - und wunder mich darüber selbst ein bisschen.

Auch beruflich muss ich mich auf ein bisschen Veränderungen einstellen. Das ganze geht zwar genau in die Richtung, die ich wollte - etwas mehr Freiraum beim Brotjob ohne große finanzielle Einbußen, etwas mehr Zeit für andere Dinge (Schreiben?!)- aber schnell nagt auch wieder die Angst an mir, ob ich denn weiter genug verdiene... Dabei ist Geld gar kein aktuelles Problem bei mir.

Einen Wandel, den ich selbst befördere, ist seit kurzem der Versuch, endlich den letzten Schritt vom Vegetarismus zum Veganismus zu gehen, Ich will nicht bei jedem Biss in die Käsestulle "das ist falsch!" denken. Eier ekeln mich schon länger. Bisher staune ich, wie wenig ich beim Kochen und Essen verändern muss und welch leckere Alternativen die vegane Küche zu Käse bereithält (Hefeschmelz!).

Eine Gottheit, die sich während der letzten Wochen und Monate recht resolut in mein Leben einmischt, ist Hekate. Es macht mir Freude, wieder mal zu lernen, zu experimentieren, eine Gottheit in mein Leben einzuladen und kennen zu lernen.

Ich merke bei all dem, dass mir Veränderungen nicht leicht fallen. Um so mehr freue ich mich über die schönen beständigen Dinge im Leben - den besten Ehemann von allen, mit dem ich mich von Jahr zu Jahr besser verstehe, meine Freude an der Natur, meine bisher gute Gesundheit, meine freunde an Bewegung, mein guter Draht zu den meisten Menschen um mich herum, und natürlich meine echten Freunde, die mir auch in Krisen loyal beistehen.

Loslassen. Fließen lassen, den Wandel annehmen. Auf dem Zaun wieder ein bisschen Richtung Wildnis rutschen, bevor ich geistig ganz im Dörfli assimiliert bin.

Lernaufgaben für diesen Frühling.






27 Februar 2019

Die ersten Bärlauchspitzen

Ich schreibe nur noch so selten... das letzte Mal Spätsommer, den Novemberbeitrag stellte ich nicht fertig. Veränderungen rumoren immer noch in mir, aber ich weiß wie immer nicht, wohin mit mir, vor allem beruflich. Ich sehne mich gleichzeitig nach mehr (finanzieller) Sicherheit und nach mehr (kreativer) Freiheit. Wüsste nicht, wie ich das unter einen Hut bekommen soll, alldieweil der aktuelle Kompromiss schon ein sehr guter ist.





Aber ich freue mich über erste helle Frühlingstage und Bärlauchspitzen.


22 August 2018

Altweibersommer



Noch ist heiß, das Thermometer zeigt über 30 Grad. Und doch neigt sich dieser lange, heiße Sommer dem Ende entgegen. Ich bin zwar nicht unglücklich über die bald sinkenden Temperaturen, freue mich auf Kürbisse und Maronen und Herbstgeruch und mehr Wandern (die Hitze hat mich wochenlang träge gemacht); andererseits fürchte ich mit jedem Jahr mehr den Winter, die Kälte, die Dunkelheit.

Die Herbstmelancholie hat mich zumindest schon im Griff. Der Tod meines ersten Freundes, von dem ich im Juni erfuhr, wirkt dabei nach. Ich war auf der Beisetzung und war gerührt, dass ich nicht, wie ich dachte, im Bewusstsein dieses ferner Freundes, mit den ich 15 Jahre keinen Kontakt hatte, verschwunden war.

Ich bin nostalgisch gerade, sehe Bilder von dieser Teenagerliebe, sehe Bilder von all den Hexen- und Frauenspiritreffen der letzten 20 Jahre, sehe Bilder von den gemeinsamen Pilzspaziergängen 2017 mit einem lieben Freund, der mir vor einigen Monaten die Freundschaft kündigte. Zwar konnten wir - interessanterweise kurz nach der Mondfinsternis - wieder in einen Modus mit oberflächlichem Kontakt und ohne Vorwürfe zurückkehren, aber mehr wird daraus wohl nicht mehr erwachsen, und auch dieser Freundschaft trauere ich hinterher.

Ein bisschen frage ich mich gerade, was schlimmer ist; wenn man eine öde Jugend und junge Erwachsenenzeit hatte und alles verpasste, was spannend und aufregend war; oder wenn die Zeit so voller Abenteuer und Wunder steckte, dass im mittleren und älteren Erwachsenenleben kaum noch etwas mithalten kann.

Gleichzeitig bin ich seit Wochen unruhig, ungeduldig. All die kleinen Anforderungen des Alltags von Erwerbsarbeit bis Steuerklärung gehen mir auf die Nerven. Statt dessen will ich wieder kreativ schreiben, nein: es nicht nur wollen, sondern tun. Den Anfang und das Ende einer großen Geschichte, die mir schon jahrelang im Kopf herumspukt, habe ich wie im Rausch in die Tasten gehauen. Nun fehlen „nur noch“ die paar hundert Seiten dazwischen, die mir schwerer fallen und sich zäher gestalten. Aber es hilft, die Unruhe und Nostalgie zu kanalisieren.

Ob das hier überhaupt noch jemand liest? Bloggen ist ja fast so rückwärtsgewandt, als würde ich den Text in Steintafeln meißeln. Aber wenn du, Leserin, Leser, mit mir ein Stück Vergangenheit geteilt hast, schreib mir doch mal eine E-Mail! (Das ist so eine Textnachricht, die vor Whatsapp verbreitet war.) Ich würde mich freuen.