20 April 2012
Morgengrauen
18 November 2011
Vexierbild
"Landart" - aber wenn
du Bild eins zur Seite drehst:
Augen im Schädel!
***
Heute Nacht unter anderem meine alte Schulfreundin B. auf einem Hexentreffen wiedergesehen. Sie war sehr merkwürdig dick geworden, nur unterhalb der Hüfte, und sie erzählte mir, das sei eine Krankheit, die sie vom Fleischessen bekomme. Leider könne sie aber dem Fleisch manchmal nicht widerstehen. Ihr Mann mischte sich ein - ja, und das letzte Mal sei es nicht nur Wildschwein gewesen, sondern sogar verrottetes, da B. das nicht realisiert habe, da die Speisekarte in Englisch war!
B. erzählte, darüber hinaus bewirke ihre Krankheit Augenschäden, und die OP, um diese zu beseitigen, sei sehr teuer. Sie wollte mich dazu motivieren, dafür Geld zu sammeln, aber - obwohl dabei das Gewissen an mir nagte, ich hatte einfach keine Lust. Mein wilder Ehemann schlug vor, doch solche Strahlen-Laser-Augen-OPs auch selbst ausprobieren zu können, er habe da schon eine entsprechende Strahlenkanone gebastelt.
Uih-Uih-Uih, dachte ich.
17 November 2011
11 September 2010
Klassisch
Die Septemberabendsonne scheint hell,
vergoldet verblassendes Grün;
Winde fliehen gen Süden so schnell
Ach, könnt ich nur mit ihnen ziehn.
Im Herbst, da werden Gedanken so leicht
wie Wolken im luftigen Blau.
Und eines Tagens gelingt mir vielleicht
ein Gedicht - ich weiß nicht genau.
Karla Kolummna
Wir beide haben übrigens inzwischen eine eigene Rubrik - "North and South". :-)
North and South - about runes
Ich bleib auch dran, immer mal wieder beim Wandern Notizen zu Gedichten zu machen (habe entdeckt, dass unser Fotoapparat auch Tonaufnahmen machen kann), und habe außerdem erfahren, dass mein Krimi in einem Verlag, bei dem ich dachte, er sei schon abgelehnt, noch in der Begutachtung steckt.
Ab und zu verschwimmt zwar der Weg vor mir, und schwach und kränkelig fühle ich mich zurzeit auch, aber irgendwie bin ich wieder halbwegs auf dem richtigen Dampfer mit meiner Kreativität.
08 September 2010
Spuk
Nein, kein Geist
Schritte in der Nacht
Morgens im taunassen Gras
Irdene Schüsseln mit Tee
Katzen schleichen durch
Geschlossene Türen und fauchen
Dumpfe Bässe wie von Musik
Dringen aus der Decke
Wenn es dunkel wird
Kleider wandern heimlich
Unter das Laub im Garten
Toilettenpapierfahnen
Wehen zerzaust im Wind
Am Holunderbaum
Auf einem Goldrandteller
sterbende Weinbergschnecken
Und zur Geisterstunde eine leise Stimme
Hallo
Hallo
Hallt und verklingt
In dunklen Räumen
11 Oktober 2009
Gewinne und Verluste
Ein Kreativ-Award
Die Regeln sind:
1.) Bedanke dich bei der Person, die ihn dir verliehen hat.
2.) Kopiere das Logo und platziere es in deinem Blog.
3.) Verlinke die Person, von der du ihn bekommen hast.
4.) Nenne 7 Dinge über dich, die anderen noch nicht bekannt sind.
5.) Nominiere 7 ‘Kreativ Bloggers.’
6.) Verlinke diese Blogger bei dir.
7.) Benachrichtige die 7 durch einen Kommentar.
1.), 3.)
Danke, liebe Bärin!
2.)

4.)
- Mein erster Freund war ein richtiger Popper mit falscher Rolex, GTI und Lacoste-Poloshirts.
- Seit dem Tod meines Vaters vor 9 Jahren wächst mir eine weiße Haarsträhne.
- Wenn ich mich emotional instabil fühle, bekomme ich sofort Nierenschmerzen.
- Ich bin gut darin, greinende Kleinkinder in Einkaufswägen mit Grimmassieren heimlich zum Lachen, Glotzen und Jauchzen zu bringen, ohne dass die Mütter es merken.
- Ich lese morgens beim Frühstücken immer Zeitung und höre meist HR1 oder HR3 (ja, gruselig, aber ich bekomme nur 2-3 Sender rein mit meinem ollen Radio).
- Ich habe mit 10 rum ein romantisches Gedicht über einen Doppelselbstmord geschrieben und ein feministisches, das begann mit "Frauen sind das starke Geschlecht, Männer tun mutig, Frauen sind's echt!" *lol*.
- Ich gehöre zu den größten Zehntel der Frauen und hätte als Kind wegen meiner schon früh extremen Körpergröße als riesenwüchsig gegolten.
5.) & 6.)
Ich bin ja in letzter Zeit ganz schlecht darin, die Awards sachgemäß weiterzugeben, meistens haben schon alle Blogs, die ich kenne & gut finde, einen *g*. Daher werde ich hier nicht zwanghaft sieben zusammensuchen, sondern nur einen nominieren:
Besonders schön finde ich den Blog von Feronia, die viel kreativ bastelt, kocht, in alten Erinnerungen stöbert, Sylvia Plath liest, immer die gegensätzliche Jahreszeit von mir hat und darüber in einer wundervollen Sprache schreibt:
In a yellow wood
Verlust:
Nachdem ich mit meinem Krimi nicht einen Wettbewerb gewinnen konnte, hat nun auch der erste Verlag mein Buch abgelehnt. Ja, ich weiß, auch schrecklich erfolgreiche Schriftsteller wurden 300 000 mal abgelehnt, und ich bin mir bewusst, dass ich nicht den besten Kriminalroman aller Zeiten geschrieben habe (aber auch, dass wesentlich schlechtere Krimis schon veröffentlicht worden sind - das sage nicht nur ich).
Aber: ich bin im Kritik einstecken nicht sehr gut und schlich daher gestern Abend ziemlich zerknittert um das verräterische Päckchen mit dem Manuskript und wagte nicht, es aufzumachen und die Kritik zu lesen. Habe es heute dann getan und bin eher erleichtert - der Lektor findet meinen Roman zu langatmig und unorginell. Ich selbst finde ich ihn tendenziell viel zu komprimiert (was da alles passiert auf so wenigen Seiten!!!) und schräg.
Daher trifft mich die Kritik nicht sehr tief, und mein Manuskript geht bald wieder auf die Reise...
PS: Samhain nicht vergessen!
10 September 2009
Versprochen ist versprochen
Der Weg viel zu steil,
und der Blick viel zu schwer.
Wie bleibt man nur heil,
und - gibt es nicht mehr?
Und muss es so verdammt mühsam sein?
Oft fühle ich mich unter Menschen allein.
So viele Gedanken, die in Sackgassen kreisen,
so viele Augen, die einen abspeisen,
und oft schließt der Panzer mit einem Klick.
Und es geht nur vorwärts, du kannst nie zurück.
Doch dann kommt plötzlich ein kurzer Moment,
und ich höre einen ganz anderen Laut.
Eine Melodie, die mich kitzlig macht,
der schweigende Rhythmus geht unter die Haut.
Ich höre:
Worte, die mehr als Worte sind
und Lieder, die ohne Töne klingen,
und in den Buchen braust der Wind -
komm, alter Gott, lass mich für dich singen...
Hier stehe ich und lausche dem Gesang meines Herzen,
der von Freude singt, von Schmerzen, von Weinen,
von Lachen, Lieben, von Glücklichsein und
von Fliegen wie die Wolke im Wind...
es singt wie ich als alte Frau und wie ich als Kind,
Worte, die mehr als Worte sind
und Lieder, die ohne Töne klingen,
und in den Buchen braust der Wind,
komm, alter Gott, lass mich für dich singen...
Weil du der bist,
der diese Tür öffnen kann.
Hallo Alter Gott.
Hallo alter Mann,
Hallo gütiger Geist in diesem Wald.
Hallo Namenloser.
Hallo Windgestalt,
Hallo Sagenfigur
und Vaterersatz.
Ich sing ohne Töne.
Ich sprech ohne Satz:
Worte, die mehr als Worte sind
und Lieder, die ohne Töne klingen,
und in den Buchen braust der Wind,
komm, alter Gott, lass mich für dich singen...
10 Februar 2009
23 September 2008
10 September 2008
Schätze
Hier bei Distel, hier bei Ryuu , hier bei Caroona und hier bei Nenya wird gerade über Reichtum, Armut und "Best-things-are-(not?)-for-free" diskutiert. Wirklich interessant...
Ich habe hier auch einiges getippt - und wieder gelöscht, weil es entweder schon an andere Stelle gesagt wurde, oder weil ich anfange, mich dafür zu rechtfertigen, wieso ich keinen festen Job habe und auch gar nicht richtig will, wieso ich mit wenig Geld auskomme... wieso ich mit wenig Geld und wenig bezahlter Arbeit ziemlich reich bin und in den letzten Jahren immer mehr sinnvoll, schöpferisch und unbezahlt tätig werde (und trotzdem manchmal die soziale Anerkennung und den beruhigenden Euroregen durch eine spießige Berufskarriere vermisse).
Dann habe ich mich an ein Gedicht erinnert, was ich mit 15-16 geschrieben habe und dachte - das sagt es doch wesentlich besser und kürzer aus, was ich denke.
Schätze
Du fragst, was ich besitze ?Gib mir die Hand;
Ich werde dir meine
Überquellende Schatulle zeigen.
Siehst du dies hier ?
Vorsicht, es könnte zerbrechen.
Es ist ein alter, kostbarer
Schwur an einen Freund.
Und dieses Lächeln hier !
Wie herrlich es strahlt,
Weißt du, die Leuchtkraft
Von Blut geht nie verloren.
Selten zeige ich diese Stücke,
Zarte Schnitzereien wie aus Holz,
Ich bewahre diese Worte,
Hüte und beschütze sie.
Bitte, faß' diesen Blick nicht an !
Er könnte sich trüben.
Außerdem bin ich egoistisch,
Und er gehört nur mir.
Verstehst du nun, wie reich ich bin ?
Ich verlache dein Geld,
Bitte, behalte die kalten Perlen,
Schenke mir lieber eine kleine Geste.
20 Mai 2008
16 Oktober 2007
Herbstgöttin

Sie ist die erste Form der Göttin, die ich als Kind schon sehen und ein wenig begreifen konnte, ich nannte die ersten Ahnungen von ihr Melancholie, Romantik, bunte Herbstkatze, und sie ist so viel mehr als das. Man begegnet ihr leicht, wenn man offenen Herzens durch den Herbstwald läuft, die roten Äpfel in den Bäumen betrachtet oder die fallenden Blätter.
In ihr ist die Ernte enthalten, die bunten Blätter, der Farbenrausch; die Erinnerung, die Nahrung, der Rausch und der Tod. Ihre Haare sind lang und schwarz und glänzen wie die Federn der Krähen, und wenn ich lange durch die Wälder laufe, sehe ich sie überall, ihre Vögel, ihre Boten.
Oh Göttin, dein krähenschwarzes Haar weht im Wind, deine Augen können leuchtend warm sein wie die braunen Eichenblätter, warm und heimelig, oder heiter und lustig, bernsteingelb wie der Apfelwein, oder grau und kalt wie der Morgen nach dem ersten Frost... du kleidest dich in die schönsten Gewänder, leuchtend blauer Stoff wie die Farbe des Herbsthimmels, die bunten lustigen Blätterkleider in allen Farben der Natur, aber auch deine zarten, weißen und grauen Nebelgewänder...
Sie ist die Fülle, sie reicht dir lächelnd den Korb mit ihren Gaben, mit Äpfeln und Mais und Nüssen und Pilzen, sie reicht dir auch die fünffingrigen Kräuter und die kleinen buckeligen Pilze und den Wein. Wenn du den Rausch suchst in ihrem Namen, dann weißt du nie, als wer du wieder zu dir kommst. Sie ist auch die Königin der Feen, und denke nach, bevor du Feennahrung isst.
Danke ihren Gaben im Herbst, auch wenn sie dich früher manchmal geschmerzt haben wie ein kalter Stahl im Herzen. Ihr Schmerz macht dich reiner, schöner und besser. Sie ist die Göttin des Phoenix, der aus den Flammen aufersteht.
Oh Göttin der Ernte und der goldenen Oktobertage, Göttin der verklärenden Erinnerungen, Göttin des gelben Lichtes und des ersten Weines, Göttin der Jagd und Göttin des warmen bunten Todes!
Nimm mein Herz ruhig hin und wieder in deine Hand, ich danke dir dafür.
26 August 2007
Krähen
Krähenvögel fliegen wieder,
Kohlenglänzendes Gefieder,
Kleine Schwester von den Raben
Rufen über Ackergraben.
Ich erwach von ihrem Rufen
An Nebelmorgen, geh die Stufen
Tief hinab zur Erntezeit.
Die Gedanken werden weit.
Krähe will mir etwas sagen.
Krähe will mich etwas fragen.
Krähe will mich sanft ermahnen.
Krähe lässt mich etwas ahnen.
Lass mich lernen, schöner Gleiter,
Trag meine Gedanken weiter,
Lehr mich Ernst und Offenheit.
Nimm mich mit. Wir fliegen weit.

15 Juni 2007
Schatten und Licht
Und mal Licht
Mal siehst du mich
Und manchmal nicht.
26 April 2006
Sterntaler
Die Sterntaler
Es war einmal ein kleines Mädchen, das lebte bei seiner Mutter, einer armen Näherin, denn der Vater, so sagte die Mutter, sei tot. Früher sei als kleiner Händler mit einem Koffer voller Garne und Knöpfe über Land gezogen und davon eines Tages nicht wiedergekehrt. Manchmal, als das Mädchen noch sehr klein war, hatte es in den wenigen Wintermonaten, die der Vater zu Hause war, lautes Schimpfen vom Vater und Weinen der Mutter gehört, und Geräusche, die klangen wie Stöhnen und Klagen von einem verwundeten Tier. Doch eines Tages ging der Vater fort und kehrte nie zurück.
Manchmal fragte das kleine Mädchen, wo denn der Vater gestorben sei; da presste dann die Mutter die Lippen fest aufeinander und begann, von anderen Dingen zu reden. Am liebsten sprach sie über die Bibel, die neben dem Gesangbuch das einzige Buch im Hause war. Und das Mädchen lernte, dass es freigiebig sein müsste und fromm, und sich selbst niemals wichtiger nehmen dürfe als die anderen. Es war langweilig und anstrengend, ein Mädchen zu sein, dachte das Mädchen manchmal schamhaft, wenn es bis tief in die Nacht Wolle aufrippelte und Garn für die Mutter spann.
Eines Nachts träumte das Mädchen, der Vater sei zurückgekehrt. Am Tag zuvor hatte ein Bote einen Brief für die Mutter gebracht, und sie hatte nach dem Lesen die Lippen fester zusammengepresst als sonst. In der Nacht nun erwachte das Mädchen und ging zu der Kammer der Mutter, doch sie lag nicht im Bett, sondern schwebte wie ein Engel mitten im Raum. Es dauerte eine Weile, bis das Mädchen den Strick sah, an dem die Mutter hing.
Der Onkel übernahm nun das kleine Haus. Er wollte, dass das Mädchen als Dienstmagd für ihn arbeitete, und da das Mädchen gut und fromm war, tat es wie geheißen. Doch machten ihm die gierigen Blicke des Onkels Angst, und nachdem sich in seinem 12. Sommer sein Kleidlein das erste Mal mit Blut befleckte, zog er es an einem kühlen Oktoberabend in den Stall und versuchte, ihm weh zu tun.
Das Mädchen dachte an die verletzten Tiere, die sie früher bei ihrer Mutter gehört hatte, und an den fest zusammengepressten Mund der Mutter, der so selten lächelte, und ohne nachzudenken trat sie zu und lief davon.
Nun hatte sie gar nichts mehr, nicht einmal mehr den verlausten Strohsack beim Onkel. Sie besaß nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihr ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Sie lief weit weg vom Dorf, wo ihr Onkel lebte und ihre Mutter nun unter einem schönen Strauch wilder Rosen ruhte. In ihrem Kopf spürte sie eine große Leere, und sie merkte, wie ihre Beine zitterten, wenn sie erschöpft anhielt. Sie wollte nie wieder zurück dorthin, wo ihr Onkel war, doch ihr wurde langsam klar, dass es überall, in allen kleinen Dörfern dieses Reiches, diese Onkel geben konnte.
Und so ging sie im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihr ein armer Mann. Zuerst zuckte sie zurück, aber dann sah sie, dass er alt war, schwach und zahnlos. Dennoch funkelten seine Augen böse, als er sagte, »Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.« Sie zögerte kurz, reichte ihm dann das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir's«, und ging weiter. Sie dachte an ihre Mutter, die unter der Decke geschwebt hatte wie ein Engel. Engel brauchen kein Brot.
Da kam ein Kind, und das Mädchen fragte sich, woher es kommen möge so weit ab vom Dorf. Dann sah es, dass es eine schwere Kiepe trug mit Schuhen darin, und so dachte sie, es wird wohl ein Schusterkind sein. Das Kind jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da tat sie ihre Mütze ab und gab sie ihm. Später dachte sie, wieso hat das Schusterkind kein Mützchen, wo es doch so viele Schuhe hat? Aber schnell vergaß sie den Gedanken. Engel tragen keine Mützchen.
Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror, und noch eins, das bat um ein Röcklein, das gab das Mädchen auch von sich hin. Aber auch diesmal wunderte sie sich, denn es sah die Kinder zu einem Lager laufen, wo Menschen um ein Feuer saßen, Händler oder Schaustellermochten es sein, und es fragte sich, warum die Kinder nicht von ihren Eltern Leibchen und Röcklein bekämen. Doch dann dachte sie wieder, wo die Engel wohnen, da gibt es keine Leibchen und Röcklein.
Endlich gelangte sie in einen Wald. Inzwischen war schon dunkel geworden, und es wurde bitter kalt. Nur am westlichen Horizont konnte das Mädchen noch einen kleinen Streif helleres Licht sehen; schon funkelten die ersten Sterne. Sie hörte ein Rascheln im Gebüsch, war aber zu müde und hungrig, um sich zu sorgen. Als sie an einen kleinen See trat, um wenigstens ein bisschen zu trinken, sah sie ihre eigene Gestalt nur als dunklen Schemen, umrahmt von den Sterne. Es war ihr, als wenn sie eine Stimme hörte, die sie um ihr Hemdlein bat, und das fromme Mädchen dachte: »Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben«, und zog das Hemd ab und ließ es in das Wasser gleiten.
Und wie sie so stand und gar nichts mehr hatte, sah sie sich um und begann zu weinen. Sie sah hinauf zum bleichen Mond und den glitzernden kalten Sternen und weinte noch mehr, denn sie hatte gedacht, wenn sie alles hingab außer sich selbst, dann würde es die Mutter wiedersehen und ein neues Engelskleid bekommen von allerfeinsten Linnen. Doch sie spürte keine Belohnung, nur nagenden Hunger und die kalte Nachtluft auf der nackten Haut. Und so kroch sie in ein Gesträuch, um sich ein wenig zu wärmen, und ertastete dabei einige Beeren, schwarz wie der Nachthimmel über ihr. Sie probierte diese, und die Beeren schmeckten süß. Sie aß einige wenige, dann übermannte sie die Erschöpfung, und sie schlief ein.
Als sie aufwachte, war es noch immer schwarze Nacht, aber alles sah verwandelt aus und schrecklich und schön. Sie kroch aus dem Gesträuch, und ihr war wohlig und warm, obwohl der kalte Nachtwind an ihren langen Haaren riss. Die Sterne glänzten wie große, helle Taler am Himmel, und sie meinte, sie könne sie abpflücken, wenn sie sich nur ein bisschen höher würde recken können. Sie ließ sich auf den Rücken fallen und spürte ein Lachen tief hinten in ihrer Kehle aufsteigen. Zwischen ihren Beinen begann es, warm und lustig zu prickeln. Ihr war, als täte sich der Himmel auf und ziehe sie machtvoll hinauf, als sei es ein wilder Ritt wie auf einem durchgehenden Pferd. Dann spürte sie plötzlich eine heftige Übelkeit. Sie musste sich übergeben, und bunte Sterne tanzten vor ihren geschlossenen Lidern, als sie angestrengt würgte. Erschöpft sank sie zusammen. Ihr Herz raste schmerzlich, und die hellen Sterntaler über ihr drehten sich schnell und bedrohlich. Sie bekam große Angst. Das sah nicht aus wie die Einladung zu den Engeln. Das musste vom Teufel sein. Ihr Körper bebte und schwitzte, Schatten lösten sich aus dem Gesträuch um sie und kamen auf sie zu. Ich muss sterben, dachte sie, und da ist kein Himmel auf der anderen Seite. Dann wusste sie von nichts mehr.
Als sie erwachte, schmerzte ihr der Kopf, als sei sie heftig geschlagen worden, und ihr Mund war so trocken, als habe sie seit Tagen nicht getrunken. Sie konnte die Augen nicht öffnen, nicht einmal, als sie spürte, wie eine sanfte Hand ihren Kopf anhob und ihr etwas Wasser zwischen die aufgesprungenen Lippen goss. Lange lag sie so da, trank, wenn man ihr etwas in den Mund goss, und versuchte, sich zu erinnern. Die Mutter, der Onkel, der Wald... die schönen trügerischen Himmelstaler weit oben...
Sie öffnete vorsichtig die Augen und blickte in ein fremdes Gesicht. Es sah ein bisschen schmutzig, aber freundlich aus, und das Mädchen fasste Vertrauen. Schüchtern fragte sie, wo sie denn nun sei, und erfuhr, dass die beiden Kinder vom fahrenden Volk, denen sie Leiblein und Röcklein gegeben hatte, dies zu den Eltern gebracht hatten und diese sie dann ausgeschimpft und nach ihr gesucht hatten. Die freundliche Fremde fragte nach ihrem Namen, und da besann sich das Mädchen lange, und es fiel ihr nicht ein. Und da die Sterne so beindruckend gewesen waren in der verhexten Nacht, als sie beinahe gestorben war, sagte sie, sie wolle Stella genannt werden.
Und Stella blieb beim fahrenden Volk. Sie erlernte die Kunst, die Karten zu schlagen und die schönsten Körbe zu flechten, und da es darin sehr geschickt war, hatte sie es bald schon zu einigem Gold gebracht, und sie gab nichts davon her, sondern bewahrte es gut. Sie wurde eine sehr schöne Frau, ihr Leben war spannend und aufregend und sie dachte nicht mehr an die Engel, als sie den jungen Königssohn traf... doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
14 Dezember 2005
Wie wahrhaftig werden
Wenn ich Schmerzen fühle und
Dicht mache
Mich zusammenziehe
Und eine harte Schicht nach außen bilde
ICH!
Bin ich dicht und starr
Maskenhaft
Dann kann ich die da draußen kaum sehen
Kaum verstehen
Kann nur mit dem Fingernagel kleine Löcher in die
Harte Schale pulen
Und rauslinsen
Und sehe nur Ausschnitte
Pastellfarbene Details
Die lange widerhallen in mir
Und ihren Zusammenhang verlieren
Ihr könnt mich berühren
Und ich tanze meinen Tanzbärentanz
Wackle lustig mit den Pfoten
Klimpere lustig mit der Kette
Und fühle nichts
Höre nur euer Lachen von fern
Und das leise Echo
Unter dem dicken Fell
Oder aber ich bin wieder einmal gehäutet
Schutzlos
Arglos
Angstlos
Und zerfließe freudig über die Welt
Dann ist meine manische Marmeladensoße wie ein
Rosa Glücksglanzlack über alles geträufelt
Dann sehe ich überall
Nur MICH!
Gespiegelt millionenfach
Das süße Lächeln
In Natur und euren Gesichtern
Und bei beiden bleibe ich fern und fremd
Von euch
Auch die Liebe Liebe Liebe
Vielleicht nur süße Drogensoße
Und der stille Wunsch nach einem Abgrund
Wie meinem
16 November 2005
08 November 2005
06 Mai 2005
Just beginning...
Einfach-Sein
Das Leben beutelt manchen sehr,
Und wer bestreitet, es sei schwer?
Wie schlimm, wenn es entglitte!
Doch mit den Wurzeln in der Erde
Kann ich wachsen, und ich werde
Zur Kraft in meiner Mitte.
Oft rennt man gegen Mauern an
Bis man nicht mehr atmen kann,
Macht weiter, weil man muss;
Doch manchmal bleib ich einfach stehen
Und lass die Welt statt meiner gehen -
Ich fließe mit dem Fluss.
Ich bin nicht schön. Ich bin nicht fleißig,
Hab nichts erreicht mit meinen Dreißig,
Und bin doch ganz im Hier.
Ich freue mich an jedem Tag,
den diese Welt mir bringen mag -
Die Göttin ist in mir.
(Bodecea 9/03)










