Die ersten Vögel haben dich geweckt
und du liegst wach im Morgengrauen. Gedanken rasen wie – nein,
nicht wie Büffelhorden in dunklen Herbstnächten, auch nicht mit dem
trommelnden Herz- und Hufschlag der wilden Aufregung – sie eilen
wie eine Horde Schafe, sanft und doch zu schnell, sie zu fangen oder
zu zählen.
Dir geht es gut.
Du schulterst die Aufgaben mit einem
Lächeln. Du bist erwachsen geworden, sogar um die Hüften sammelt
sich schon matronenhaftes Fleisch. So viele Gedanken und Taten und
natürlich auch Gefühle sind in dir, um dich. Aber wenn du in dich
hineinsiehst, ist da ein leerer Stuhl, wo zu anderen Zeiten eine
zusammengerollte, angstvoll grübelnde Gestalt lag.
Du würdest gerne mal wieder Menschen
finden, die du an der Hand nehmen und durch diese Räume führen
kannst, die viel mehr von neuer Sachlichkeit zeugen und nicht mehr
von Neuschwanstein, inklusive Wagnergrotte, so wie früher. Aber die
Zeiten für solchen Mätzchen scheinen vorbei, Erwachsene reden
höchstens mit ihren Therapeuten über leere Stühle und
Gedankenschafe, nicht mit fröhlich Betrunkenen am Lagerfeuer. Wir
Erwachsenen diskutieren auf Feiern über Autokauf und
Sozialversicherung, kaum jemand, der Bücher liest oder Herzen und
dann darüber spricht.
Ein weiterer Vogel fällt ein in das
Lied des ersten.
Du stehst auf, ein langer Tag wartet
auf dich.
6 Kommentare:
Hach! HACH! :-)
Interessante. Vielleicht habe ich missverstanden - meinst du damit, dass die Erwachsenen einfach weiter mit den Dingen, anstatt überanalyse?
Hi Feronia,
ich müsste "erwachsen" wohl besser in Anführungsstriche setzen, denn es scheint ja wenig vom Alter abzuhängen, was ich meine. Ich beobachte nur bei mir, dass ich zurzeit mehr als früher etwas aktiv angehe, statt 10 000 Mal drüber nachzugrübeln, Und dass mir das gut tut. Vielleicht ist mein Ego in Urlaub,
Bodecea
Manchmal glaube ich, ich würde dich gern kennenlernen. Ich glaube, ich würde dich mögen.
Katrin - :-)
;)
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