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01 August 2019

Lammas


Lammas/Lughnasadh ist ein Fest im Jahreskreis, das mich immer eher ratlos zurücklässt, da ich mit der keltischen Mythologie recht wenig anfangen kann. Es ist die Zeit des geschnittene Korns, der reifen Brombeere, der ersten frühen Äpfel.

Für mich gehört Lammas in den Reigen der Erntefeste und markiert gleichzeitig die Zeit des späten, hohen Sommers, ruhig-würdige Löwezeit, die geliebte Phase des Altweibersommers nicht mehr fern. Thema ist bei mir bei solchen Festen meist der Dank.

Heute ging ich lange wandern. Ich liebe wandern, gern auch mit dem werten Gatten oder Freunden, aber mindestens genauso gerne laufe ich alleine, lasse meine Gedanken von der Leine und schaue 7, 10, 12 oder auch mehr Kilometer, was es so denkt in meinem Kopf.

Auf dem Weg schaffte ich es heute ohne Vorsatz, vier Stunden (und 14 Kilometer) darüber nachzudenken, für was ich alles dankbar bin. Ich begann mit all den Umständen, die mir das geliebte Wandern ermöglichen - ich bin körperlich halbwegs fit und habe keine Handicaps, ich kann mir ein bisschen Ausrüstung wie Schuhe, Wanderkarten und so etwas leisten, ich bin in einer beruflichen und familiären Situation, wo ich mir Auszeiten nehmen kann. Ich habe auch keinerlei Angst, alleine unterwegs zu sein, kann mich mit Karte problemlos orientieren.


Und jeder Gedanke zog andere nach sich. So vieles, wofür ich dankbar bin! Ein so guter, lieber Mann, Gesundheit, Freunde, gesicherte Finanzen, Eltern, die mich auf eine Weise prägten, für die ich heute dankbar bin. Selbst schlimme Dinge, für die ich sicher nicht dankbar bin - ich denke an den frühen Tod meines Vaters - wecken dennoch dankbare Erinnerungen: wie Freunde von mir ohne Einladung oder Bitte zur Beerdigung kamen damals, um mir beizustehen. Wie ich in jener Zeit Trost und Freundschaft in der ersten Hexengruppe fand, die meinen Weg kreuzte und für immer veränderte. Auch dafür, dass es mit der universitären Karriere nix wurde, bin ich heute eher dankbar, habe ich doch einen Beruf, der mir viel Freiheit lässt und viel Freude macht.

Ja, ich weiß - nicht alles ist rosarot, das Leben ist kein Ponyhof, die Pole schmelzen, die Nazis erstarken, all so was. Aber das kann ich auf meinem Spaziergang auch nicht einfach so beheben. Aber ich kann mich dran erinnern, was alles gut ist im Leben, in meinem zumindest. Das gibt mir Kraft und Mut, das macht mich stark und bereit, mein Leben weiter selbst in die Hand zu nehmen, zu leben, statt mich leben zu lassen, den Göttern dankend für alles, was ich bisher erhalten durfte.


23 Juni 2019

Sommersonnenwende am Druidenhain

Ein Kurzurlaub im Fränkischen mit dem besten Ehemann von allen. Angetan gewesen - die Natur mit all den Felsen und Höhlen, Blumen und Schmetterlinge, die Kultur mit Burgen, vielen Marias überall und gutem Bier.

Den Druidenhain besucht am Spätnachmittag der Sommersonnenwende. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Energie an einem Ort gespürt; wir waren mal mit dem Hexengesindel da vor über 15 Jahren, daran hatte ich mich erinnert und wollte das noch mal sehen. Lange zwischen den Felsen herumgeklettert, still ein Amulett geweiht.


(Kreidespirale am Stein)

Wir waren nicht allein. Zwei junge Muttis mit Kindern. "Wir müssen noch Diana anrufen", meine ich eine doppeldeutigerweise sagen zu hören. Zwei junge Männer klappern irgendwas im Gebüsch. Auf dem Rückweg ein junger Mann mit Gitarre, der uns mit Merry Meet begrüßt. Verstand ihn erst nicht (sagte der moin moin!?), schalten dann nicht schnell genug und antworten lahm "hallo".

Zögern am Auto, dann doch weggefahren - uns einfach dazuzugesellen trauten wir uns nicht. Die letzten 10 Jahre sind wir zudem etwas eingerostet, zu selten Treffen mit Gleichgesinnten, zu viel Alltagswürgegriff.

Mit viel, viel Sehnsucht heimgefahren, Sehnsucht nach gemeinsamen Ritualen, verrückten Leuten, Lachen am Lagerfeuer, magische Momente, Heidenspaß.




05 Mai 2019

Freiheit

Warme Tage, dann Kälteeinbruch.

Vor einem Monat stellte ich recht plötzlich meine Ernährung von vegetarisch auf vegan um und fand es leichter als gedacht.

Viele Freunde gesehen über die Osterferien, noch mal gemeinsam an den Freund (meinen ersten Freund) gedacht, der letztes Jahr starb. Diese Mahnung wirkt nach. Es gibt so viel, an was ich mein Leben nicht mehr verschwenden will.

Denke in letzter Zeit auch oft über die Paradoxien der Freiheit nach. Als Teenager denkt man ja, Freiheit sei, wenn man ohne Konsequenzen machen kann, was man will. Mit Mitte 40 weiß ich dagegen - Freiheit ist, wenn ich bereit bin, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen. Denn wenn ich die auf anderer abschiebe . "Ich kann nichts für mein Handelns, für meine schlimmen Worte, da sind andere dran schuld!" - bin ich niemals frei.





Einige gute Ansätze im psychologischen Bereich aufgenommen im Laufe des letzten Jahres, nach der gewaltfreien Kommunikation auch ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie).

03 April 2019

Frühling und Wandel

Die letzten Wochen und Monate waren eine anstrengende Zeit.

Im März fühlte ich mich gleichsam in die Teenager-Vergangenheit und die damaligen emotionalen Berg- und Talfahren bei Freundschaften katapultiert.
Ein enger Freund von mir (der, der schon mal 2018 auf Abstand ging), brach die Freundschaft mit mir endgültig ab. Ich sah mich diesmal haarsträubenden Vorwürfen ausgesetzt, die er auch hinter meinem Rücken verbreitete. Es tat natürlich weh, als mir bewusst wurde, dass ich wohl sein Wohlwollen mir gegenüber gehörig überschätzt habe.

Mit ein paar Wochen Abstand fühlt es sich aber erleichternd an, als sei eine Last von mir genommen. Mir ist erst jetzt bewusst geworden, dass besagter Freund viel Energie gekostet hat, viel Aufmerksamkeit einforderte, die mir anderweitig fehlte. Ich trauere nicht - und wunder mich darüber selbst ein bisschen.

Auch beruflich muss ich mich auf ein bisschen Veränderungen einstellen. Das ganze geht zwar genau in die Richtung, die ich wollte - etwas mehr Freiraum beim Brotjob ohne große finanzielle Einbußen, etwas mehr Zeit für andere Dinge (Schreiben?!)- aber schnell nagt auch wieder die Angst an mir, ob ich denn weiter genug verdiene... Dabei ist Geld gar kein aktuelles Problem bei mir.

Einen Wandel, den ich selbst befördere, ist seit kurzem der Versuch, endlich den letzten Schritt vom Vegetarismus zum Veganismus zu gehen, Ich will nicht bei jedem Biss in die Käsestulle "das ist falsch!" denken. Eier ekeln mich schon länger. Bisher staune ich, wie wenig ich beim Kochen und Essen verändern muss und welch leckere Alternativen die vegane Küche zu Käse bereithält (Hefeschmelz!).

Eine Gottheit, die sich während der letzten Wochen und Monate recht resolut in mein Leben einmischt, ist Hekate. Es macht mir Freude, wieder mal zu lernen, zu experimentieren, eine Gottheit in mein Leben einzuladen und kennen zu lernen.

Ich merke bei all dem, dass mir Veränderungen nicht leicht fallen. Um so mehr freue ich mich über die schönen beständigen Dinge im Leben - den besten Ehemann von allen, mit dem ich mich von Jahr zu Jahr besser verstehe, meine Freude an der Natur, meine bisher gute Gesundheit, meine freunde an Bewegung, mein guter Draht zu den meisten Menschen um mich herum, und natürlich meine echten Freunde, die mir auch in Krisen loyal beistehen.

Loslassen. Fließen lassen, den Wandel annehmen. Auf dem Zaun wieder ein bisschen Richtung Wildnis rutschen, bevor ich geistig ganz im Dörfli assimiliert bin.

Lernaufgaben für diesen Frühling.






14 Juli 2018

Wandern und Spiritualität

Meine Ferien neigen sich zu Ende, und die Wochen fernab des geliebten und doch so absorbierenden Berufsalltags haben gut getan - so gut, dass ich mich mal wieder frage, wie ich (noch) mehr Ich-Zeit in mein Leben integrieren kann. Leider ist es auch für einen Freiberufler nicht immer ganz leicht, die Arbeit beliebig zu reduzieren, ohne Gefahr zu laufen, einen Auftraggeber zu verlieren.


So dachte ich heute bei einer etwas längeren Wanderung, 12 Kilometer über Höhenwege durch die Wälder... Der wilde Ehemann hatte ausnahmsweise keine Lust, mitzuwandern - die Ferien über waren wir viel gemeinsam unterwegs gewesen und haben auch recht herausfordende Touren bezwungen - und so war ich, auch angenehm, mal wieder allein mit mir und meinen Gedanken. Machte einen Abstecher zum einem Kultplatz und diesem nahem Opfersteinen (ich nenne sie mal so wegen der "Schüsseln", in denen ich auch öfter Opfer finde - diesmal Glassteinchen und eine Muschel, der ich ein wenig mageren Weizen - die Trockenheit! - und ein paar Kräuter hinzugesellte).

Ich dachte unter anderem darüber nach, dass meine Spiritualität seit ihrer Wiedererweckung 1999/2000 jetzt volljährig geworden ist und ich zur gleichen Zeit - 1999 -  auch mit dem Wandern begann. Damals war das verbindende Element (und ist es geblieben) die Liebe zu besonderen Orten, Kultplätzen, aber auch der Natur allgemein. (Und beides betrieb ich auch schon als Kind; liebte alles mit Magie, aber auch lange einsame Spaziergänge an stillen Sonntagmorgen. Doch zwischen 15 und 25 verlor ich den Faden...)

Und so, wie ich über die Spiritualität, die Magie und den Austausch mit all den interessanten Menschen, ob nun aus dem Gesindel, den Frauenspiri-Mondgruppen oder auch jetzt durch das HZ-Forum immer mehr zu mir fand und finde, stabiler und reifer wurde und werde, so tut mir das Wandern körperlich gut. Bislang bescheinigen mir Ärzte bei jedem Check trotz meiner überflüssigen Pfunde hervorragende Werte von Ruhepuls über Blutdruck bis Blutzucker, ja, sogar Leberwerte - dabei wird aus mir kein Asket mehr werden - und ich glaube, das verdanke ich dem Wandern.

Aber auch für die Seele tut das Laufen so viel. Ich kann meine Gedanken einfach galoppieren lassen, Frust abbauen, so nötig, aber auch meditieren, mich von den Füßen hintragen lassen, wohin sie wollen und mich über überraschende Ideen und Gedanken freuen, die irgendwann durch mein Hirn purzeln. (Die Intelligenz, las ich mal, verbessert sich beim Wandern messbar, da das Gehirn besser durchblutet wird.)

Heute habe ich zum Beispiel darüber nachgedacht - Stichwort Volljährigkeit - wie angenehm es für mich ist, mit Mitte 40 nicht nur grauer und faltiger, sondern auch reifer und erwachsener zu werden, auch durch schmerzhafte und bittere Zeiten hindurchgehen zu können und doch meist bei mir zu bleiben oder zumindest schnell zu mir zurückzufinden. Nicht in kindische Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid zu verfallen, sondern den Schmerz annehmen, durchleben, versuchen, seine Lektion zu verstehen, und weitergehen, mit einer (schmückenden?) Narbe mehr auf der Seele.

Ich hatte mich ja in letzter Zeit oberflächlich mit gewaltfreier Kommunikation beschäftigt und auch damit, welche Bedürfnisse ich habe, auch meinen Mitmenschen gegenüber, und mir ist klargeworden - ich erwarte nicht prinzipiell, dass man mich mag, oder versteht, oder gutheißt wer ich bin und wie ich bin. Ich kann oft nur schwer den Film verstehen, der in den Köpfen anderer Leute abläuft, und erwarte daher auch nicht, dass man meinen Film kapiert als Außenstehender.

Was ich aber erwarte, ist Respekt im Umgang mit mir. Und ich bin nicht mehr bereit, mangelnden Respekt zu tolerieren.

So dachte ich, und stapfte dabei immer weiter, und dachte, das könnte ich doch auch mal wieder in den Blog schreiben statt die gekürzte Weichspülversion in den sozialen Netzwerken.


05 Februar 2017

Brigid (Imbolc, Lichtmess)

Der beste Ehemann von allen und ich wurden von einem arbeitsfreien Sonntag überrascht und beschlossen, den Tag für ein wenig Imbolc-Feiern zu nutzen.
Wir standen früher auf als sonst an freien Tagen und marschierten ein wenig eine der hiesigen Anhöhen hinauf, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Es war still in der Dämmerung; nur der Vogelgesang erwachte und steigerte sich mit jeder Minute, die das Licht zunahm. Mir fällt es diese Jahr mehr auf als je zuvor, wie eifrig die Vögel schon Anfang Februar singen! Ich hoffe, es ist ein gutes Omen für einen baldigen Frühling.


Wolken und Nebel hatten sich im Zwielicht wie eine fedrige graue Decke auf die Gipfel des Höhenzuges im Osten gelegt. Einzelne Wolken röteten sich, als der Sonnenaufgang näher rückte. Die Welt der Menschen schlief noch; nur hier und da war ein Wagen unterwegs. Irgendwo läuteten Kirchenglocken, krähte ein Hahn, war ein Zug zu hören.

Wir genossen den Sonnenaufgang, vor Reif knirschendes Gras unter unseren Füßen, einen hellen blauen Himmel über uns, die rosa-gold-orangenen Sonnenstrahlen im Gesicht, und sangen einen Chant, um das Licht, die Inspiration und die Kreativität in unserem Leben zurück zu begrüßen (Holy Water, Sacred Flame...).



Nach dem Frühstück machten wir noch eine schöne Wanderung zu einer heiligen Quelle in unserer Region. Auch wenn der Marienkult eng mit der Quelle und einer nahen Kapelle verknüpft ist, ist der Ort auch bei Heiden beliebt, was auch allerlei Ritualfunde in der Kapelle belegen.




24 Oktober 2016

Wandelzeit

Nach einem sommerlichen September ist nun der Herbst seit Anfang Oktober hier auch vom Wetter her spürbar, und seit einigen Tagen schlägt auch die Färbung der Wälder um ins Bunte. Samhain steht vor der Tür; ich habe mir ein paar Tage freigenommen, will ein bisschen dem Abschluss und dem Wechsel nachspüren, Wandern, vielleicht auch 1-2 Renovierungsarbeiten angehen (aber ehrlich gesagt habe ich dazu gerade gar keine Lust).

Das Jahr hatte viele Herausforderungen und Tränen gebracht, vor allem durch den Tod meiner Mutter; aber jetzt ist alles gut. Ich spüre, dass Dinge neben den alltäglichen Anforderungen von Job und Gedöns in meinem Leben wieder wichtiger werden - die Kreativität, die Magie.

Das letzte Wochenende hatte ich mit dem besten Ehemann von allen auf einem Hexentreffen verbracht. Ich habe gemerkt, dass mir das gefehlt hat, seit meine anderen spirituellen Bezugsgruppen auseinanderfielen oder sich zu gemütlichen Treffen mit Freunden veränderten. Ich habe viele neue Impulse mitgenommen und 1-2 Vorurteile über Bord geworfen. Es waren zwei sehr kraftvolle, und dennoch harmonische Tage. Ich freue mich sehr, bin dankbar.




08 Juli 2016

Hexenkraut und Sommer

Langsam komme ich mehr zum durchatmen. Sommerwärme hilft mir oft dabei, mich zu lockern, die geringere Arbeitsbelastung in den warmen Monaten ebenso. Nur zum Wandern bin ich zu wenig gekommen die letzte Zeit...

Ich überlege wie jedes Jahr, welche Pflanzen und Kräuter mir besonders ins Auge fallen, um daraus meine verqueren abergläubischen Schlüsse zu ziehen. In diesem Frühjahr und Sommer sind mir drei Pflanzen besonders aufgefallen:

Rosen
Bei uns wachsen und blühen dieses Jahr die Rosenbüsche besonders prächtig. Es ist wahnsinnig schön, an einem Rosengarten vorbeizugehen, zu schauen und zu riechen.

Mädesüß
Diese Pflanze mag es feucht, und so ist es kein Wunder, dass nach dem verregneten Frühling das schaumig-weiße Kraut in Massen steht, bei offenen Autofenster weht so oft der süße, mandelartige Duft hinein.
Mädesüß ist eine Heilpflanze. Sie wird auch als Duftplanze verwendet, ich finde sie aber etwas penetrant auf Dauer. Ich hatte im Hinterkopf, dass sie gegen Schmerzen hilft, weil sie eine Chemikalie enthält, die Salicylsäure ähnelt. Sie wurde aber wohl mehr für Schwitzkuren verwendet, ähnlich wie Holunderblüten.

Hexenkraut.
Das ist sicher die spannendste Entdeckung dieses Jahr, ich meine, alleine der Name! Ich kannte das Kraut bisher gar nicht, meinem Mann fiel es zufällig an unserem Hochzeitstag bei einem Spaziergang ins Auge. Wenige Tage später entdeckten ich und Bekannte bei einer Exkursion einen ganzen Hügel voll davon, und rund ums Haus hier wächst es auch.
Als Heilpflanze spielt es wohl keine große Rolle, aber als Zauberpflanze. Hexen sollen es verwenden, um anziehender für Männer zu werden, heißt es. Na dann! Vielleicht kommt diese Geschichte daher, dass die Samenstände eine Art Klette sind, die "magisch" an der Kleidung haftet. Angeblich soll es auch aphrodisierend und psychoaktiv sein. Das muss ich mal näher recherchieren.


22 Juni 2016

Wie das Wetter

Das Jahr ist für mich bisher wie das Wetter - zu kalt, zu nass, zu gewittrig, anstrengend mit einem Wort.

Ich arbeite mich mühsam an Baustelle nach Baustelle ab, an deren Entstehen ich meist keine oder nur wenig Shculd trage, und bin erschöpft und verspannt und schlafe schlecht. Alles mühsam und zäh gerade... gut, dass es den besten Ehemann von allen gibt und die Wälder zum darin herumwandern.

Nichtsdestotrotz - oder gerade deswegen - auch mal wieder ein paar rituelle Momente zur Sonnenwende mit Kräuterbuschen und kleiner Anrufung.






01 Dezember 2015

Gray days


Nur selten lässt sich die Sonne in den letzten Wochen blicken. Ich kränkel immer noch/schon wieder vor mich hin, lasse mich diese Tage mal durchchecken, um abzuklären, ob das keinen Hintergrund hat, gegen den mensch was tun sollte (Eisenmangel oder ähnliches). Habe aber schon gesundheitsfördernder Weise dafür gesorgt, mit meinem Arbeitsplatz an einen helleren, luftigeren Ort im Haus zu ziehen.

Die dunkle Zeit macht mir immer zu schaffen. Ich fange schon ab Oktober an zu zählen, wie lange es noch dauert, bis es besser, sprich wieder heller wird. Zurzeit geht es mir oft so, dass ich aufstehe, etwas arbeite, ein bisschen vor mich hin wurschtel und hups, bevor mein Arbeitstag richtig anfängt, wird es dunkel. Vor allem lange Fahrerei durch die Pampa spät in der Nacht, vorzugsweise bei Schnee oder Glatteis, kann da sehr anstregend sein. Leider dauert es noch bis Weihnachten, bevor es etwas ruhiger wird in meinem Job.

Spirituell schaue ich etwas ratlos auf aktuelle Strömungen in mir und um mich. Manches geht zu Ende im Bereich Gemeinschaften, anderes fast schon Totgeglaubtes kommt wieder hervor. Für mich ist es aber jenseits von Kartenlegen, "Dinge fühlen" und esoterischer Deko immer noch die aktuelle Agenda, mit dem, was um mich herum ist - materiell, in der Natur, aber auch gesellschaftlich -  umzugehen mit möglichst klarem Blick.

Dabei habe ich einen Zaubertrick gelernt. Ich bemühe mich ja, allen Mitmenschen so zu begegnen, wie ich selbst behandelt werden möchte - freundlich, respektvoll, tolerant. Und darin bin ich mittlerweile gut, und weil ich in einer kleinen heilen dörflichen Welt lebe und man zu meinesgleichen nett ist, sind eigentlich auch fast alle Menschen nett und respektvoll zu mir.

Aber interessant ist - wenn ich freundlich zu Menschen bin, fange ich irgendwann an, sie wirklich zu mögen. Inzwischen habe ich alle meine Odenwälder, denen ich öfter begegne, richtig ins Herz geschlossen.

10 November 2015

Neumond

Samhain mit z.T. lange nicht gesehenen Hexenfreunden ist vorbei. Schöne Tage waren es! Goldenes und feurig rotes Laub sahen wir beim Spazierengehen; seitdem ist es hier in den Wäldern schon fast kahl geworden, der Wind pflückt die letzten Blätter von den Ästen.

Diese Jahreszeit, der Herbst generell, der abnehmende Mond und die letzten Überbleibsel einer Grippe machen mich nachdenklich, manchmal müde, manchmal traurig. Melancholisch halt. Auch wenn ich im Leben zurzeit zufrieden bin und froh, dass gerade keine riesige Baustelle ansteht. Der Job macht mir Spaß, der wilde Ehemann macht mir auch Spaß (noch ein Jahr, dann sind es 25 Jahre mit ihm...), ich schaffe es außerdem, wieder intensiveren Kontakt zu Freunden zu pflegen, auch wenn das oft mit meinen Arbeitszeiten kollidiert.

Aber wie es die Zeitqualität so an sich hat, denkt man auch viel über Vergangenes und Versponnenes nach.

Wie unerwartet bitter in diesem Zusammenhang, wenn man wie ich vor ein paar Tagen feststellt, dass Menschen, mit denen man damals, vor 10, vor 20 Jahren so wunderbar Gedanken und Gefühle teilen konnte und auch tiefschürfendere Themen bereden konnte; wenn solche Menschen heute in einem Milieu verkehren, wo man auf Facebook Flüchtlingshetze und gefakte Meldungen teilt und gut findet und ansonsten offenbar nichts mehr zu sagen hat...

Ansonsten: Lese die Biographie von Simone de Beauvoir und Sartre; stelle fest, dass ich schon länger keine philosophischen/soziologischen Bücher mehr gelesen habe und will das beim nächsten Bibliotheksbesuch ändern (auch wenn ich Sartres „Das Sein und das Nichts“, das großkotzig in meinen Bücherregal thront, wohl nie kapieren werde). Ich finde aber darüber hinaus Biographien von Künstlern aus solchen Zeiten (wie auch von Henry Miller und Anais Nin usw.) oft sehr erhellend, denn sie zeigen mir, dass Menschen offenbar früher mit sehr viel weniger Panik bezüglich des materiellen Leben zurechtkamen und doch ungeheuer produktiv sein konnten. Und was horten wir alles heute um uns herum an, was uns fesselt und einengt! Und um was alles sorgen wir uns heute! Wenn nur ein paar dunkelhäutige Menschen im Dorf herumspazieren, macht das manche schon fix und alle, weil sie denen das nicht gönnen, was sie selbst vom Staat auch geschenkt bekommen. Aber ich will ja meine mühsam erworbene heiterer Gelassenheit pflegen, statt andere zu bewerten, und denke mir den Rest...

Zurück zu Biber und ihrem stets gesiezten Alltimelover: Mir geben solche Biographien ein Gefühl der Freiheit und eine Bestätigung, dass mein materiell gesehen relativ bescheidenes Leben (ohne Riesterrente!) einen Reichtum widerspiegelt, den man heute vielleicht gar nicht mehr so kennt.

(Jetzt muss ich nur noch 3-4-5 Romane schreiben, ich weiß.)

22 Oktober 2015

Samhainige Zeit

Runterkommen, diesmal notgedrungen durch eine fiebrige Erkältung. Nach den ersten qualvollen Tagen nun mehr Muße, um zu kochen, in das Nebelgrau zu starren und nachzudenken. Alten Lehrer getroffen, Thema Herbst, Tod und Depression, aber mit Augenzwinkern. Alte Bilder gesucht für den Ahnenaltar zu Samhain. Diesmal werden wir wieder im etwas größeren Rahmen feiern, und ich freue mich unter anderem auf alte Hexenfreunde aus meiner "Junghexenzeit".

Die Wohnung meiner Eltern mal wieder leer räumen (diesmal von den Resten meines letzten jugendlichen Chaosmieter), putzen, renovieren; will ich dort selbst wohnen? Inzwischen wäre ich bereit, die Chaosmieter haben zumindest die traurige Piefigkeit von verstorbenem Vater, dementer Mutter ein Stück überlagert. Genug, dass ich selbst wieder da leben kann statt im immer wieder feuchten Souterrain. Plane mein spießiges Heim mit Marmorboden - wünsche mir einen Holzofen, Parkett - ich merke, ich werde alt. ;-)

Gleichzeitig muss ich darüber nachdenken, ob ich versuchen will, eine berufliche Chance zu nutzen, die sich auftun könnte. Mehr Geld, sicherer Job, sollte es klappen. Aber ich will gar nichts anderes machen als das, was ich tue. Ich liebe meine Odenwälder, und viele mögen mich auch.... Kopf gegen Herz! Ich muss nachdenken. Mal wieder die Karten auspacken.


22 September 2015

Wechselhaftes

So viel Zeit vergangen seit dem letzten Posting, zwei Monate ungefähr, es gab in der Zeit heiße Sommertage und kalte Regenschauer, positive und erfreuliche Entwicklungen (u.a. wurden wir einen Mietnomaden los), aber auch Unruhe und in letzter Zeit manchmal eine - grundlose - Traurigkeit.

Es wie wie das Herbstwetter dieser Tage, leuchtende Altweibersommertage wie gestern, wo ich froh war über einen gemeinsamen arbeitsfreien Tag zusammen mit dem besten Ehemann von allen, den wir für eine lange Wanderung nutzten.

Heute dagegen Regen, Müdigkeit und Sorge, ob ich nicht genug Aufträge bekomme. Das kennen sicher viele Freiberufler: man arbeitet wochenlang ohne freien Tag durch, aber wenn dann mehr als zwei oder drei freie Tage am Stück kommen, sorgt man sich sofort wieder, ob man bei den Auftraggebern in Ungnade gefallen ist und ob die Einkünfte dauerhafter sinken werden... Bis man dann wieder drei Wochen ohne Pause usw...usw...

Dabei habe ich auch sonst genug zu tun, muss eine Wanderführung vorbereiten, im Haushalt bleibt bei mir oft viel liegen (erst vor kurzem zum ersten Mal dieses Jahr die großen Wohnzimmerfenster geputzt), könnte auch wieder kreativ sein; aber ehrlich gesagt schlumpfe ich oft auch einfach vor mich hin, lese und vertrödle Zeit im Netz oder laufe viel durch den Wald (was ja zumindest gesund ist).

Was soll ich sonst erzählen? Ich freue mich zurzeit sehr, dass der beste Ehemann von allen in einem künstlerischen Projekt ganz neue Wege ging, was ihm sehr gut tat; ich bin gespannt, ob er diese Linie weiterverfolgen kann und will.

Im Urlaub hatten wir meist Ausflüge in die Region gemacht; zwei Tage verbrachten wir im Hunsrück und haben uns, angeregt durch diesen lesenwerten Blogbeitrag (überhaupt ein lesenswerter Blog!), auf die Spuren der Göttin Sirona begeben. In der Gegend gibt es einige Repliken alter römischer Statuen und auch kleine Tempel wie jenen auf dem Bild.



Wobei ich merke, wie weit weg mir das Spirituelle, das Heidnische vor allem zurzeit ist. Dabei ist Mabon; vielleicht ist das Wetter morgen schöner und ich komme dazu, einen Waldaltar zu machen. Ich fühle eine schmerzliche Distanz, wie eine Kühle in einer alten Freundschaft, von der man dachte, sie verträgt auch längere Zeiten gut, in denen man nicht viel oder tief miteinander interagiert.




17 November 2014

Märchenwald

Zu viel Stress die letzten Wochen, Monate. Die letzte Zeit konkret einfach zu viel Arbeit und dumme (oder auch nette!) Dinge, um die man sich kümmern muss. Nervös, Schlafstörungen, Arbeit fiel schwerer als üblich. Keine Zeit, mich genug um andere Projekte zu kümmern oder den Haushalt oder, wichtiger noch, Bewegung in der Natur.

Daher bewusst mal 1-2 Tage freigeschaufelt zum Krafttanken. Mit bestem Ehemann von allen nach einen maracuja-süßem Schlaf entspannenden Ausflug nach Odenwald-Transsylvanien. Durch Märchenwälder gelaufen, wo die weiße Frau Quellen bewacht und Siegfried erschlagen wurde.






25 Oktober 2014

Stress, Freude, Krankheit und Kürbissuppen

Schon ein Monat ist seit de letzten Post vergangen. Es war ein voller Monat.





Ich genaß von meiner Erkältung und schaffte es auf den letzten Drücker zu einem kleinen, aber feinen Frauenspiritreffen zu fahren. Die Fahrt war abenteuerlich. Ich nutzte eine Mitfahrerzentrale, wir waren zu fünft im Auto und einer der Mitfahrer kotzte auf Höhe der Kassler Berge plötzlich aus dem Fenster. Juchu!

Im Teutoburger Wald angekommen, kletterte ich mit tollen Vollmondfrauen auf den Externsteinen herum, redete, wanderte, spiritualisierte und aß zum Teil vegan und lernte dabei, dass ich viel Gerumpel im Bauch los werde, wenn ich auf Laktose verzichte. Außerdem erkundete ich Paderborn, das mir sehr gut gefällt. Die Mischung aus eher norddeutschem Feeling und vertrauter Mittelgebirgslandschaft sprach mich an.

Dann war meine beste Freundin mit Kleinkind zwei Wochen bei ihren Eltern zu Besuch, wir trafen uns mehrmals, gingen ein bisschen spazieren und ich stellte mal wieder fest, dass kleine Kinder mich mögen. Dennoch, ich spüre keinen Hauch von "oh, das hätte ich auch gerne".

Wir hatten die letzten vier Wochen auch teilweise sehr schönes Altweibersommerwetter, wärmer und viel schöner als im Sommer selbst. Jetzt ist es zwar kühler geworden, aber immer noch of sonnig. Leider bin ich schon wieder erkältet... nach nur vier Wochen! Vielleicht deswegen war ich auch einige Tage total deprimiert diese Woche. Manchmal ist alles so anstrengend. Dann sehe ich nur die Berge dessen, was ich tun sollte und müsste oder, noch schlimmer, was an Problemen vor mir liegt, an denen ich gar nichts ändern kann. Dann gelingt es mir wieder ganz gut, mich vom Gegrübel über alles, was ich eh nicht beeinflussen kann, frei zu machen und mein Leben wieder etwas mehr zu genießen.


Zum Beispiel mit dem lustvollen verzehr vieler Kürbisgerichte. Oder auch bei einem Spaziergang durch das Städtchen, wo ich früher lebte. Zusammen mit der aufkommenden Erkältung fühlte ich mich ein bisschen benebelt und high von den romantischen Sonnenbildern. Der Hebst ist wie ein untreuer Liebhaber, dachte ich, man will sich nie wieder von ihm so tief ins Herz greifen lassen, aber dann kommt er und kriegt einen wieder rum...











14 September 2014

Wasser

Irgendwie hat meine Welt gerade Risse. Nein, keine Katastrophen, zumindest keine großen; aber der alltägliche Wahnsinn aus kafkaesken Verwaltungsdingen, Bürokratie, Ärger und Sorgen und Ungewissheiten macht mich gerade mürbe. Es ist wie die Hydra, füllst du ein Formular aus, löst du ein Alltagsproblem, kommen zwei neue auf dich zu.

Aber was ist die Lösung?

Ich bin sehr viel reifer, geerdeter, kompetenter geworden die letzten Jahre. Wird ja auch Zeit mit 40, was? Und ich betrinke mich nur noch hin und wieder so richtig, wenn mir alles über den Kopf wächst. Ich mache weiter, tue, was zu tun ist. Bin stark. Ich kann das nicht mehr, das Wegschauen und sich durch Hysterie aus der Affäre ziehen, das Verdrängen. Weder bei meiner alten kranken Mutter, bei der es irgendwann ans Sterben gehen wird, noch bei allen anderen Dingen.

Ich habe aber keine Lust, einfach so immer weiterzumachen, bis ich irgendwann so hyperkompetent bin wie mein Vater, der irgendwie alles konnte und Nachts vor Sorgen wach lag und mit 66 am Herzinfarkt starb. Ich werde ihm immer ähnlicher mit den Jahren, und gleichzeitig pocht meine böse Kindheitsaffirmation wie ein weher Zahn in meinem Kopf: "Du bist im Zweifelsfall immer auf dich alleine gestellt!"

Kurz: Saturn am Aszendent! Ach, wäre ich doch Aszendent Schmetterling!

Aber für irgendwas, dachte ich eben beim Sapzierengehen, müssen doch die 15 Jahre Esoterikunsinn, Tai Chi und Hexerei gut sein, die ich inzwischen mitgemacht habe. Vielleicht muss ich es jetzt wirklich leben, das Loslassen, das im-Augenblick-bleiben. Das Sein-wie-das-Wasser, in das du ein Messer stechen kannst, und es weicht freundlich aus und schließt sich kurz danach über der Wunde, als sei nichts geschehen.



09 September 2014

Steine

Eigentlich ist ja mein Leben insgesamt so, wie ich es mir vorstelle. Ich bin gesund, habe einen lieben Partner, eine schöne Bude, einen netten Job.

Aber während ich ganz gut dastehe, hat es um mich herum seit 2-3 Wochen überall kräftig gekracht, und auch ich hab dabei einiges abbekommen. Steine liegen überall auf meinem Weg, Steine hat man mir in meinen Rucksack gesteckt. Arme alte Mutter war im Krankenhaus, musste operiert werden, Probleme mit Mietern, Ämtern, Probleme überall um mich rum, die mich sehr involvierten, deprimierten, wütend und traurig machten. Sogar in unserer Wohnung tauchte plötzlich von irgendwo Muffelgeruch auf.

Jammern hilft nicht, hat noch nie geholfen. Also: in der Wohnung und auch sonst überall anpacken, ausmisten, säubern. Altlasten loswerden, uralte Fachbücher, alte Kleider, olle stockfleckige John-Sinclair-Helftchen. Probleme Stück für Stück lösen. Die Zeit ist gut dafür, die Vollmondblutung macht mich aktiv, umtriebig, statt dass ich mich, wie an Neumond, in einer Höhle verkriechen will.

Und zwischen dem Räumen und Wurschteln, wenn ich die Zeit finde, raus, Pilze suchen, in die Sonne blinzeln. Krimis lesen. Heute Abend geplant: in den Mond gucken, mit den Wölfen heulen.
 




22 Juni 2014

Zauber

Der schönste Teil des Tages gestern - gegen elf von einer ("profanen") Sonnwendfeier zurücklaufen durch die immer noch nicht ganz dunkle Nacht. Im Norden letzte orangefarbene Reste vom Tag. Tierrufe im Wald - kleine Schweine oder doch ein Vogel? Sonst Stille, es riecht nach Sommer, die gemähten Wiesen leuchten weiß, kühler Nebel Dunst steigt in den Senken auf, und in den dunklen Waldstücken tanzen überall Glühwürmchen.