03 März 2014
Zyklen
Das Frühjahr macht sich schon seit Wochen bemerkbar, wir hatten ja keinen richtigen Winter, was ich nicht sonderlich schlimm finde. Auch die ersten Kräuter kann ich schon ernten - Brennnessel, Scharbockskraut, Bärlauch - und wie die Jahre davor hab ich einen regelrechten Heißhunger darauf.
Mein Essen folgt auch in einigen Dingen den jahreszeitlichen Zyklen. Da ist die Wildkräuterzeit im Frühling, später Spargel- und Erdbeersaison, die Salate im Sommer, Kürbisse im Herbst und Kohlgemüse die ganze kühlere Jahreszeit hindurch.
Vieles ist für mich zyklisch, ich glaube auch - nicht ganz im Einklang mit dem aktuellen Stand der Forschung - an ein zyklisches Universum, das sich ausdehnt, zusammenzieht, stirbt und neu geboren wird.
Sterne entstehen und vergehen, werden zu Staub, zu Nebeln, darin entstehen neue Sterne... ich werde auch zu Staub werden nach meinem Tod, und Lebendiges wird meine Bausteine verwenden, ein Kohlenstoffatom von mir in dieser Blume, eines in jenem Vogel da. Irgendwann war ich ein Stern, irgendwann werde ich wieder ein Stern sein.
Ich stoße mich auch sozialwissenschaftlich an der Vorstellung des ewigen Fortschritts, des Immer-Mehrs und Immerbessers und Immersoweiters, der Geradlinigkeit. Wieso glauben wir eigentlich, unsere Zivilisation, die wir seit einem Wimpernschlag haben, wird so oder so ähnlich ewig dauern? Das dachten doch die Mayas, die chinesischen Kaiser, die Römer und die Pharaonen am Nil auch....
Das Verdikt des ewigen schneller-weiter-höher haben ja nicht nur Materialisten und Ökonomen verinnerlicht. Auch in "Esokreisen" gibt es oft die Vorstellung, man müsse immer optimieren, immer besser werden. Dabei leben wir doch alle in unseren Kreisläufen, haben gute Tage und schlechte, sind mal reich und mal pleite, mal geachtet und geliebt, mal allein. Vielleicht ist es sinnvoller, diese Dynamiken anzuerkennen, statt immer nach dem "Optimum" zu streben.
In letzter Zeit habe ich wieder ein bisschen darüber nachgedacht, wie ich mich verändere im Leben. Ich hatte es irgendwann schon mal hier im Blog geschrieben, für mich ist auch meine persönliche Entwicklung eher etwas Zyklisches als etwas Gradliniges. Ich komme immer wieder an bestimmten Punkten an, wo ich schon mal stand. Ich bin zwar älter, vielleicht weiser, zumindest lebenserfahrener, und dennoch kann es mir passieren, dass ich bei einem unwichtigen Streit die Fassung verliere wie mit 17, dass ich ängstlich und verwirrt bin wie mit Anfang 20, aber auch enthusiastisch und lebensfroh wie mit 16 oder verspielt wie ein Kind.
Mein Beruf als Lokalreporterin, den ich nun auch schon wieder seit zwei Jahren ausübe, folgt lustigerweise auch Zyklen und dem (sozialen) Jahreslauf. Natürlich gibt es auch immer wieder einmalige Ereignisse, aber es gibt auch die großen regelmäßig wiederkehrenden Dinge. Da ist erst die ruhige Zeit zu Jahresanfang, dann die Neujahrsansprachen, dann Fasching, die Haushaltsplanungen der Gemeinden, dann die Jahreshauptversammlungen der Vereine, dann Ostern, irgendwann die ruhige Sommerzeit, dann die Feste und Kerwen, und bald danach kommen schon die Weihnachtsmärkte...
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1 Kommentar:
Ich glaube mittlerweile, sich diesen Zyklen anzupassen, sie anzuerkennen und mit den Wellen zu schwimmen, ist die einzig gesunde Methode und überhaupt die einzige, die auf Dauer funktioniert. Ich glaube wenn man das geschnallt hat ist man schon ein gutes Stück "erwachsen"... ;-)
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