13 März 2014

Doors of Perception

Terminkalender voll, aber dennoch Zeit für einen sonnendurchfluteten Nachmittag mit dem Liebsten in einer nahen Kleinstadt. Finde im öffentlichen Bücherregal ein Buch von Luisa Francia und freue mich. Sehe eine sehr elegante und gepflegte Frau, die gerade ihren Männerkörper hinter sich lässt, und fühle Solidarität, Sympathie. Zu wenig Schlaf, ein wenig kränkelig. Der März ist zurzeit ein Mai, und wie im Wonnemonat schwirren die Grenzen der Realität ein wenig. 

Vor zwei Tagen sah ich eine Frau im Wald - ich kenne sie sogar vom Sehen - die mit zwei Hunden auf mich zukam, mit den Hunden schäkerte. Als sie bei mir war, hatten sich die Hunde in Luft aufgelöst. Sie zwinkerte mir zu. An manchen Tagen strahlen mich alle Frauen, denen ich begegne, an, als hätten wir miteiander ein Geheimnis. (Männer nie.) An manchen Tagen spielt mir der Zufallsgenerator meines Auto-MP3-Players Antworten auf meine Fragen.

Es ist keine besonderer Leistung, in der Jugend mit Psychedelika experimentiert zu haben und ein wenig verrückt gewesen zu sein. Aber es hat unter Umständen Pforten der Wahrnehmung geöffnet, die sich nie wieder ganz schließen lassen, genau wie man Hexe sein vielleicht wie Radfahren oder Schwimmen nie mehr ganz verlernt.


6 Kommentare:

athena hat gesagt…

Das steckt drin.
Ich glaube das kannste weder er- noch ver- lernen )o(
Und was die Substanzen angeht... nun ja, vielleicht sollte ich es mal so betrachten ;-))

Heike hat gesagt…

Es gibt dafür auch eine andere Bezeichnung: "highly sensitive".
Kenne ich auch...

Bodecea hat gesagt…

Ich denke, ein wenig ist es erlernbar, mehr und intensiver wahrzunehmen, Stichwort Achtsamkeitstraining. Zu leicht rennt man mit Autopilot durch das Leben und übersieht spannende Details. Stress tötet Wahrnehmung, finde ich.

Hochsensibel - ich muss gestehen, dass ich dem Konzept sehr kritisch gegenüberstehe. Ich kenne die entsprechenden Test und schneide da mit hohen Punktwerten ab. Allerdings schneidet jeder, den ich kenne und der/die den Test gemacht hat, da überdurchschnittlich hoch ab. Wer kreuzt denn auch schon an, dass er ein tumber Klotz ohne reiches Innenleben ist, zu dem nie Menschen kommen, der nie träumt und den Kunst völlig kalt lässt ;-). Klar gibt es unterscheidliche angeborene und erworbene Empfindlichkeit. Aber ich halte ich wenig davon, jedes Abweichen vom Mittelwert mit einer Diagnose zu "belegen". Ich befürchte, bei manchen besteht die Gefahr, sich aus Verwantwortung für sich selbst zu stehlen kann mit so einem Etikett ("Ich kann das nicht, ich bin hochsensibel!").

Mir ist es wichtig, mich zu kennen und zu wissen, was mir gut tut oder nicht.

Alles Liebe
Bodecea

Heike hat gesagt…

Diese Hau-Ruck-Schnelltest zu allen möglichen Befindlichkeiten finde ich auch völlig daneben. Wenn es danach geht, werde ich mindestens 100, sterbe im nächsten Monat an Herzinfarkt, habe ich ein reiches Innenleben oder bin depressiv und der Burn out steht auch schon auf der Schwelle. Falls ich nicht gerade überkreativ veranlagt bin und aus jeder Lebenssituation das Beste machen kann. Bullshit also!

Trotzdem: Kennst du die Schriften von Elaine Aron zum Thema "the highly sensitive person"?

Bodecea hat gesagt…

Heike, hihi, genau. ich bin auch ein extravertierter sozialphobischer Asperger. Nein, das Buch kenne ich nicht. Ist es lesenswert?
Wie soll ich das ausdrücken - ich habe auch zurzeit kein besonderes Interesse daran, als "was besonderes" zu gelten. Ja, ich manchmal sehr sensibel. Ja, ich bin manchmal auch ein grober Klotz. Ja, ich brauche manchmal mehr Rückzug als andere. Ja, ich mache einen Job, den viele mit Stress assoziieren, und finde ihn gar nicht stressig. Wenn jemand durch solche Bücher Handreichungen bekommt, besser mit seinem/ihren Leben umzugehen, ist das prima. Aber ich merke inzwischen, dass mir alle "Du bist ein XY"-Bücher nichts bringen, weil ich eben auch Z bin, und F und G und Q sowieso, und ich eher schauen muss, die verschiedenen Anteile in eine Balance zu bringen statt mich mit einem Anteil zu identifizieren...

Schamanca hat gesagt…

immer wieder spannend, dass es Menschen gibt, die sich nicht nach irgendwelchen Tests klassifizieren und richten, nur um zu einer Gruppe zu gehören und sich einen Aufkleber anpappen kann. Ich bin gerne bunt :-)