Ich blieb allerdings die meiste Zeit am Nachttisch meiner Mutter hängen. Dort hat sie persönliche Dinge aufbewahrt, und ich fand unter anderem das Kondolenzbuch von der Beerdigung meines Vaters vom Jahr 2000. Ich habe auch die Grabrede gelesen (und selbstredend geheult). Mein Vater war ja hochmoralischer ex-evangelischer Ungläubiger ohne Kirchenzugehörigkeit, aber durch persönliche Kontakte kam es, das ein katholischer Pfarrer die Ansprache hielt. Obwohl da viel Christliches drin war, fiel es mir damals gar nicht so auf, weil die Themen sehr schön und passend gewählt waren (und ich sowieso wenig mitbekam vor emotionalem Stress). An meine Mutter und meinen Bruder erinnere ich mich kaum bei dem Anlass, aber an einen Musikkollegen von meinem Vater, der weinte.
Ich erinnerte mich auch, wie glücklich es mich damals gemacht hatte, dass Freunde von mir da waren, die mir viel bedeutete haben oder auch noch bedeuten. Wie es mich anrührte, dass R. sich einen Anzug angelegt hatte, wie ich mich über den alten Freund C. freute, der meine Mutter beim "Leichenschmaus" aufheiterte, an N. und C. damals am Rande der Trauergesellschaft.
Dann auch Fotos - meine hübsche junge Mutter mit einem anderen Mann beim Tanzen. Aber merkwürdiger und beunruhigender fand ich aber das hier: Unbekannter Mann flößt unbekannter Frau etwas ein. Über der Frau stecken Messer im Baumstamm.
2 Kommentare:
Beautiful and bittersweet memories, Bodecea. I have found similar bits and pieces in my grandparents' house (where we now live) - photos, tickets to balls, dance cards with all sorts of different names and handwriting on them. Things that obviously meant so much.
Wir haben vor 4 Jahren den Nachlass der Patentante meines Mannes geregelt. Beim Durchgehen der Unterlagen kam ich mir manchmal wie ein "Voyeur" vor. Andererseits habe ich Persönlichkeitsfacetten der Tante kennengelernt, die mir vorher so nicht bekannt waren. Wie Feronia sagt: bittersweet.
Das Folgende soll jetzt nicht zynisch klingen, aber dennoch: sei froh, dass du von deinem Vater Abschied nehmen konntest. Mir war das bis jetzt noch nicht vergönnt, ich konnte noch nichtmals sein Grab besuchen. Das bleibt eine offene Wunde.
Liebe Grüße. Heike.
Kommentar veröffentlichen