19 Februar 2013

Von der Einsamkeit sozialer Netzwerke

Seltsam und vielleicht paradox. So leicht es mir in meiner jetzigen Lebensphase fällt, zu kommunizieren - im Beruf, auch mit Partner und Freunden privat - desto sprachloser, anonymer werde ich im Internet. Ich schätze Netzwerke sehr im Leben, da mir enge Gruppen oft zu klaustrophobisch werden, aber die "sozialen Netzwerke" im www machen mich eher mundtot. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich dort teilen könnte, das intimer ist als Katzenfotos. Und wenn nicht dort, wo dann im Netz? Kalt und leer stehen die Forenruinen aus früheren Jahrzehnten. Mailinglisten verwaisen. Und ich tausche mich inzwischen nur noch mit wenigen engsten Freundinnen per Email aus, wenn ich so drüber nachdenke.

Vielleicht ist es auch nur so eine Alterssache. Die meisten Menschen außer mir scheinen inzwischen mit Beruf und Kindern und all dem, was man kaufen kann und was tagtäglich durch die Medien rauscht, zu beschäftigt zu sein für - ja, für was? Freundschaftlichen Austausch in Worten jenseits von Politikdiskussion oder Kochrezepten? Zu schreiben, was denke, was fühle ich, wie gehe ich meinen Weg und warum, sich darüber auszutauschen? Irgendetwas hat sich mal wieder in den letzten Jahren geändert, scheint mir, und ich habe es nicht mitbekommen oder mitvollzogen.

Ich stehe mitten im Leben, stärker als die meisten Jahre meines Lebens bisher, mutiger und weniger irritierbar, habe Partner und Freunde und finde doch oft alles kalt und leer, fern und einsam.

7 Kommentare:

Nenya hat gesagt…

So unterschiedlich ist die Wahrnehmung! Meine ist z.b. eine ganz andere, ich habe dank FB einen Knotenpunkt wo ich viele meiner persönlichen Kontakte verwalten kann, total praktisch und vorher sehr mühsam für mich zu managen und daher öfter brach hab liegen lassen.
Was ich aber auch sehe, ist dass einiges auch bei mir abfällt und auseinanderbricht einfach weil nichts mehr kommt, das liegt aber genauso an mir wie am Gegenüber.
Viele Orte sind mir aber auch nicht mehr so wichtig wie früher, ich hab mich aus zahlreichen Foren zurückgezogen weil einfach der gemeinsame Nenner fehlt und ich mehr Lust drauf habe mit den Menschen zu kommunizieren die halbwegs auf meiner Welle schwimmen. Obs daran liegt das meine Zeit mir kostbarer geworden ist? Und warum war sie es vorher nicht, so daß ich Tage mit sinnlosen und aufreibenden Diskussionen verbracht habe die am Ende eh nichts bringen?!!
Ich mußte einfach lernen was das WWW für mich eigentlich bedeutet, ich bin ja "erst" 7 Jahre aktiv dabei und am Anfang wollte ich alle meine Interessengebiete abgedeckt haben, und jetzt nach all den Jahren haben sich Schwerpunkte herauskristallisiert und ich freue mich da sehr über ein tolles Deutschlandweites Netzwerk im Bereich Selbstversorger und Naturschutz. Das Netz kann einem ja immer nur das Geben was auch im Offline Leben vorhanden ist, das ist so meine Erfahrung die ich daraus machen konnte.

Grüße
NEnya

Bodecea hat gesagt…

Hm, klar, zum Informationsaustausch sind Netzwerke prima. Das weiß & nutze ich auch. Aber mir fehlt die Möglichkeit zum persönlichen, freundschaftlichen Austausch. Ach, was weiß ich. Bin grade krank und einsiedlerisch, liegt wohl daran.

Nenya hat gesagt…

Nene, Informationsausstausch ist da nicht das Ausschlaggebende bei mir. Die Mehrzahl meiner virtuellen Freunde sind ja auch echt. Das Verabreden fällt jetzt viel leichter, weil nicht erst groß rumtelefoniert werden muß und ich krieg oft die Kleinigkeiten des Alltags mit, was vorher nicht so war und vor allem bei Familie Kontakten im Ausland schön ist.
Und dir wünsche ich gute Besserung!

Diana Kennedy hat gesagt…

Für mich sind diese Netzwerke einfach Smalltalk Ersatz. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Feronia hat gesagt…

Jeder kommuniziert auf ihre eigene Weise. Es ist gut, ein ausgewogenes Verhältnis von virtuellen und tatsächlichen Kommunikation. Besser irgendwo als nirgendwo kommuniziert.

Heike hat gesagt…

Ich tausche mich im Netz eigentlich ganz gern aus, weil ich dort Leute "treffe", die ähnliche Interessen und Lebensvorstellungen haben (oder es zumindest vorgeben...). Allerdings achte ich schon darauf, gewissen Grenzen nicht zu überschreiten und nur so viel von mir preizugeben, wie ich möchte. Ich sehe es wie Diana Kennedy, der Austausch im Netz ist eine Art Smalltalk.
Was ich allerdings wirklich schätze, ist über meinen Dunstkreis Odenwald herauszukommen und Kontakt mit Leuten aus aller Welt aufzunehmen. Das wäre ohne das Netz so nicht möglich.
Was die richtigen Freundschaften angeht, die existieren sowie jenseits aller Medien. Allerdings frage ich mich gerade auch, ob es echte Freundschaften überhaupt noch gibt oder ob man sich,für eine begrenzte Zeit, nur noch in Interessengemeinschaften zusammentut. Wenn die Interessen oder Lebensumstände wechseln, steht man oft dann plötzlich wieder relativ alleine da.
Gute Besserung und liebe Grüße. Heike.

Bodecea hat gesagt…

Huhu Heike und Diana, ja, so ähnlich geht es mir auch. Smalltalk und Interessenaustausch. Und natürlich die Möglichkeit, per Mail Freundschaften einfach über Distanz zu pflegen (wie mit der lieben Feronia - imagine we had to write via airmail!). An Freundschaft glaube ich noch!