21 Februar 2012

Kuckucksnester und so weiter

Ich habe gerade einen interessanten Blogbeitrag von Distel gelesen, in dem sie über Depressionen schreibt und darüber, wie wichtig es ist, über das Thema Depressionen zu sprechen. Wichtig, weil viele Menschen sich auch heute noch sehr scheuen, bei Depressionen, Burnout-Symptomen oder anderen Problemen Hilfe zu suchen. Ich glaube, für viele - Männer vielleicht noch mehr als Frauen - ist eine Diagnose im psychiatrischen Bereich ein Stigma, das sie unbedingt vermeiden zu müssen glauben.

Ich selbst war noch nie wegen psychische Problemen in professioneller Behandlung, was nicht heißt, dass ich nie Probleme hatte. Meine Stimmungen schlagen zeitweise stärker aus als bei anderen, und ich habe öfter mal leicht depressive Phasen (vor allem im Winter) und  leicht manische Phasen, in denen ich angenehm euphorisch, aber ansonsten normal (?) bin. Zumindest einmal in meinem Leben hielt letzteres aber einige Monate an, in denen ich sehr sehr wenig schlief und aß, stark abnahm und auch sonst einigen Unsinn anstellte. Als Teenagerin war ich ziemlich bekloppt, essgestört und so weiter.

Die letzten Jahre standen durch die Pflege eher im Zeichen des Burnouts, dem ich ab und zu gefährlich nahe kam.

Ich fühle mich allen Klippengängern dieser Welt daher verwandt.

Und: Ich möchte auch alle ermuntern, euch Hilfe zu suchen, wenn ihr sie braucht. Geht zu Profis! Nichts gegen Heilpraktiker, Lebensberater, Johanniskraut usw., wenn es um normale Alltagssorgen und leichten Winterblues geht, aber wenn die Kacke am dampfen ist, muss ein wirklich qualifizierter Arzt oder Psychotherapeut her.

Und wenn es schon so weit ist, dass ihr in eine psychiatrische Klinik sollt - habt davor keine Angst. Da meine Mutter ja gerade in einer solchen ist, sehe ich ja selbst fast täglich, wie sehr sich (inzwischen) der Alltag dort von den Horrorbilder unterscheidet, die ihr vielleicht im Kopf habt. Eigentlich ist es eher wie eine Jugendherberge mit teilweise verschlossenen Türen.  Wenn ich herausgelassen werden möchte, schaue ich immer nach dem Schlüsselbund, der dem Pflegepersonal an der Seite klimpert - sonst könnte ich nämlich die meisten PatientInnen nicht vom Personal unterscheiden.





Ich denke, es ist bei allem psychischen Problemen wichtig, sich bewusst zu machen - ich bin für mich verantwortlich, "first, last and always", und ich muss versuchen, das Beste für mich zu tun. Ganz gleich, ob jemand anderes eine Psychotherapie "komisch" findet oder einen Psychiatrieaufenthalt "schrecklich" oder Pillen "unmöglich".

Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich jetzt mit der Pflege NICHT in einen Burn-Out-Zustand gerutscht bin - weil ich mich getraut habe, das zu tun, was ich will und richtig finde, ganz gleich, ob andere das auch so sehen oder nicht.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

das ist total wichtig und gut, was distel udn du da schreiben... ich habs ohne fachhilfe versucht zu schaffen und werde mir jetzt nach zwei (!) jahren doch noch Hilfe holen... weil es nichts mit lebensqualität zu tun hat, was ich erlebt habe und immer noch erlebe. und ich bin weit von heftigen fällen entfernt!

distelfliege hat gesagt…

Ah schön dass du das weitermachst, das Thema. Bei mir wars damals weniger das Problem des Stigmas, der mich abhielt, sondern der Gedanke, dass ich einfach nur ein sch... Loser bin, der gar keine Krankheit hat und deshalb auch keine Hilfe verdient. *g* Das war sehr erleichternd, überhaupt erstmal ernst genommen zu werden, daß man Hilfe bekommen kann, und nicht so behandelt zu werden als nähme man anderen, die es nötiger haben, den Therapieplatz weg.

distelfliege hat gesagt…

Anonym, dir alles Gute!

Bodecea hat gesagt…

Liebe(r) Anonym, ja, suche dir Hilfe! Es bringt einfach nichts, sich nur noch "durchzuwurschteln".

Liebe Distel,

ja, das ist ja quasi schon krankheitsbedingt - ich bin nicht mal eine Therapie wert, weil ich nicht krank genug bin! Bei mir war es eher so, dass ich Therapien gescheut hatte in Zeiten, wo ich welche hätte gebrauchen können (~15-25):
1) romantische Vorstellungen vom "edlen Wahnsinn" bzw. wollte ich ja auch mit 15-17 essgestört usw. sein,
2) Arroganz - ich weiß es alles besser, was will mir ein Psychologe Neues über mich erzählen können!
3) Die Vorstellung, das alleine schaffen zu müssen (Härte, Härte) und ohne die "bösen Therapeuten", die einen ja nur den edlen Wahnsinn nehmen wollen (siehe 1) um einen doof und angepasst zu machen...

Bodecea

Feronia hat gesagt…

Vielen Dank für einen so interessanten Beitrag. Es gibt viele Möglichkeiten für die Depression zu behandeln. Es ist wichtig, für das, was das Richtige für Sie zu suchen.