13 September 2011

Loblied dem Staubsauger

Ich lese gerade von Bill Bryson "Eine kurze Geschichte der alltäglichen Ding". Es ist sehr interessant, was es noch im 19. Jahrhundert bedeutete, einen Haushalte zu führen - oder besser: führen zu lassen, denn fast jeder hatte (zumindest im damaligen England) Diener. Ein einfacher Landpfarrer hatte drei bis fünf Diener, und anders war ein Haushalt auf einem gewissen Niveau auch gar nicht zu bewältigen. Die vielen ineffizienten Öfen anheizen, jeden Liter Wasser, der gebraucht wird, quer durchs Haus schleppen, Wasser fürs Baden oder Wäsche waschen mühsam vorher auf dem Herd kochen, ewiges Putzen, Geschirr spülen, Waschen, viel Kochen... selbst die Talkkerzen, die stanken und kaum Licht gaben, mussten alle paar Minuten geschnäuzt werden. Und das ganze offenen Feuer von Kerzen, Öllampen und Kaminen stellte, auch noch bei der modernen Gasbeleuchtung, eine ewige Gefahrenquelle dar.

Hier waren zum Tag des offenen Denkmals einige sehr einfache Bauernhäuser zu besichtigen - ich hatte zwar keine Zeit, konnte aber die Bilder in der Zeitung anschauen - einfachstes Leben mit Kochherden, die noch mit Holz angefeuert wurden (ich selbst hatte solche Öfen noch in den 80ern in manchen Küchen in Betrieb gesehen und kannte Menschen, die eine Lizenz hatten, dürre Zweiglein im Wald für diese Öfen zu sammeln), kaum Heizungen - die effektivste Wärmequelle die Kühe unterm gleichen Dach.

Ich glaube, ohne die Weiterentwicklung der Haushaltstechnik wäre eine Emanzipation der Frau in der modernen Gesellschaft nie möglich geworden oder aber nur auf jene schmale Schicht beschränkt gewesen, die Diener hat - und keine Diener oder aber dienerlose arme Menschen sind. Es war mit dem damaligen Arbeitspensum einfach nicht MÖGLICH, dass bei einem Paar beide einer individuellen Beschäftigung nachgehen, die nennenswert Zeit in Anspruch nimmt (außer, wie gesagt, man hat Diener).

 Ich schaue Elektroherd, Staubsauger und Waschmaschine an und denke, schön, dass es euch gibt!

4 Kommentare:

Diandra hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass sich Emanzipation ausschließlich darin äußert, dass beide sich außer Haus den Buckel krumm-schuften...

Bodecea hat gesagt…

@Diandra - habe ich das geschrieben? Aber um einen Haushalt halbwegs auf modernem Niveau zu haben (also jetzt mit warm und sauberer Kleider und essen, das mehr ist als jeden Tag Brei in einem Topf, aus dem alle löffeln), kannst du um 1800 mindestens 16 Stunden Arbeit am Tag rechnen für einen kleineren bürgerlichen Haushalt. Selbst, wenn das gleichberechtigt aufgeteilt würde, wäre es für zwei Leute ein Vollzeitjob. Und ich bin froh, dass ich heute nicht mehr Tage mit Wäsche waschen verbringen muss und dafür mehr Zeit habe zum wandern, denken, schreiben... und arbeiten, ja, das auch. Ich MUSS ja nicht - aber ich finde es gut, dass ich es könnte. Emanzipation heißt für mich - Wahlmöglichkeiten.

Diana Kennedy hat gesagt…

Oh, wir haben über 10 Jahre mit einem Holzfeuer-Herd gekocht und der war nicht mal sonderlich alt, die Baujahr etwa um 1990. Wenn man alle parat hat (kleingeschnittenes Holz, papier ist sogar recht schnell angefeuert und die grosse Stahlpaltte bietet Platz für etliche Töpfe und Pfannen, so dass auch schnell gekocht ist. Und als bei uns wegen des Orkans Lothar über 14 Tage kein Strom im Ort war haben wir trotzdem warm gegessen - im Gegensatz zu den Leuten mit Elektroherd. Trotzdem, ist schon eine Arbeit und nein, Staubsauger und co möchte ich auch nicht missen.

Nenya hat gesagt…

Ich bin ja da immer zwiegespalten einerseits bin ich ein Technikfreak andererseits kenne ich das einfache Leben ohne Strom und mag es zwischendurch sehr gerne, ich finde es erdet so schön und macht andere Sachen unwichtiger.
Mein Vater ist noch so aufgewachsen, ohne Strom und fließendem Wasser aus dem Hahn, und bis vor ein paar Jahren lebte sein ältester Bruder den Sommer über immer noch so. Ich fand es jedesmal fazinierend wie erfüllend harte Arbeit sein kann.
Und auch jetzt kenne ich noch Leute die nur Holzherde haben, man ist unabhängiger, kann damit auch da wohnen wo es keine Stromleitungen gibt.
Ich habe mal gelesen das wir durch unsere "weiße Ware" sprich Waschmaschine etc. nicht mehr Zeit haben als die Menschen früher.
Auch haben die MEnschen früher mehr geschlafen, wir haben es uns zwar leichter gemacht aber ob wir dadurch weniger gestresst sind wage ich zu bezweifeln.
Ich find beides wertvoll, gewonne Zeit und enspanntere Hausarbeit und hier und da harte körperliche Arbeit als Gegenzug :o)