Ein paar Gedanken zur Freiheit (und zum Feminismus)...
Ein Zitat, das ich sehr mag:
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. (Jean-Jacques Rousseau)
Das ist eine gute Zusammenfassung von dem, was mich antreibt. Ich mag zu nichts gezwungen werden. Ich mag keine Befehle empfangen. Ich möchte nicht bedrängt, manipuliert oder erpresst werden, etwas zu tun, was ich nicht will. Ich will Dinge aus freier Entscheidung tun, selbst, wenn ich auf das ein oder andere keine Lust habe oder es mir gerade nicht angenehm ist. Mir ist es immer wichtig, daran zu denken - was immer ich tue, ich tue es freiwillig. Fast in jeder Situation gibt es eine Alternative, für die man sich entscheiden kann, und sei es im Extremfall der Tod.
Und das ist für mich auch Emanzipation. Nicht, dass ich statt Idealfrau Modell A (50er-Jahre-Mutti) jetzt Idealfrau Modell B (frauenbewegte Karrierefrau) werde. Sondern dass ich so frei, wie es möglich ist, ohne an die Freiheit anderer zu rempeln, leben kann, jenseits der Schubladen, jenseits der Klischees von typisch weiblich, typisch männlich. Im Gegenzug will und muss ich bereit sein, auch anderen diese Freiheit zuzugestehen, auch wenn sie gar nicht so leben, wie ich es für richtig halte. Diese Freiheit sehe ich ab und zu bei manchen Ausprägungen des Feminismus verlorengehen, wenn "wir emanzipierten Frauen" den anderen Frauen vorschreiben wollen, ob sie Kopftücher tragen "dürfen" oder Miniröcke oder einen Ehering.
Meine Freiheit greifen natürlich diejenigen Männer an, die meinen, ich muss mich ("als Frau") ihren Idealen fügen, muss von ihnen beschlossenen Einschränkungen in Kauf nehmen, mich gar widerstandslos belästigen lassen, wenn ihnen der Sinn danach steht. Denn auch Angst schränkt Freiheit ein. Ich habe zwar keine Angst vor Männern. Und dennoch läuft bei mir automatisch immer dann, wenn ich einem Mann alleine begegne (im Wald zum Beispie) der Check ab: Gefährlich? Wohin könnte ich notfalls flüchten? Was könnte ich als Waffe verwenden? Mir ist, von kleineren Belästigungen abgesehen, noch nie "etwas passiert". Aber so lange je nach Schätzung rund ein Drittel aller Frauen sexuelle Gewalt erleben und haufenweise Männer herumlaufen, die diese begehen, finde ich diese Vorsicht vernünftig. Nur zwei, drei oder fünf Prozent sind Täter? Mei, wenn nur jede fünfzigste Orange giftig wäre, ich würde dennoch allen misstrauisch begegnen.
Ich wünsche, wir könnten alle freier leben in einer Welt, wo Frauen keine Angst vor Übergriffen haben müssen und Männer nicht unter dem ständigen Täterverdacht stehen. Ich bin manchmal enttäuscht, dass viele der Männer, die sich überhaupt mit solchen Fragen beschäftigen, ihr Geschlecht als das Opfer sehen einer Kultur des Misstrauens - statt anzuerkennen, dass von ihrer Seite etwas getan werden könnte. Statt zu sagen "Mensch, wir müssen doch mal unseren Mitmänner, Söhnen und Brüdern vorleben, wie man ein toller Mann sein kann, und denen auf die Finger hauen, die Frauen schlecht behandeln", scheinen viele nur zu denken "Oh, ich armes Opfer, ich habe doch noch gar keine vergewaltigt und dennoch misstraut man mir".
Aber ich denke, heute ist es hierzulande schon viel ziviler als vor 50, 100 oder mehr Jahren.
Ich glaube übrigens nichtsdestotrotz, wir alle sind heute und hierzulande viel freier, als die meisten denken. Wir können es zumindest sein. Die Ketten, in denen wir immer noch liegen (schon wieder Rousseau), haben wir zu einem großen Teil selbst geschmiedet. Und solange wir nur bei anderen nach dem Schlüssel suchen, bleiben wir gefangen.
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