02 Februar 2014

Imbolc






Ein eher grauer und kühler Tag. Oben an den magischen Steinen lag sogar noch etwas Schnee. Dennoch ist schon spürbar, dass die Tage länger werden, und ich bin dankbar dafür. Die dunkelsten drei Monate im Jahreskreis sind vorbei.

Ich bin nachlässig geworden darin, die Jahresfeste zu begehen. Kaum, dass ich sie wirklich rituell feiere. Wenn überhaupt, mache ich es wie heute, bringe ein paar Dinge zu einem besonderen Ort als kleines Dankeschön.

Mein Energieniveau ist nicht sehr hoch, und ich bin froh, dass ich zurzeit nicht zu viel Arbeit habe. War jetzt auch mehr als eine Woche sehr stark erkältet. Ansonsten bin ich trotz vieler kleiner störender Aspekte ganz zufrieden mit meinen 40 Lenzen. Wenn ich, früher eine etwas ängstliche Autofahrerin, jetzt mal wieder routiniert die nächtlichen Straßen entlangrolle, denke ich: Ich kann nicht weiter gucken als früher, eher im Gegenteil, meine Augen werden schlechter. Aber ich schau nicht mehr weg, auch wenn mich etwas blendet, und es macht mich nicht mehr nervös, wenn ich nicht sehen kann, wie es jenseits meines Scheinwerferkegels weitergeht. Und im Leben halte ich es hoffentlich auch so, lasse mich nicht mehr schnell blenden und akzeptiere, dass die Zukunft im Dunklen liegt.

In manchen Dingen fühle ich mich dennoch auch meinem jüngeren, jugendlichen Ich noch nahe und durchaus rebellisch. So quillt als Reaktion auf einen abwertenden Artikel in einer überregionalen Zeitung über unsere Region jene von einem dumpfen, einseitigen Lokalpatriotismus über. Ihr Leser hier wisst, wie gerne ich hier lebe, und dass ich auch dem Völkchen hier gewisse Sympathien entgegenbringe. Aber ich musste mal wieder einsehen, dass es offenbar vielen Menschen nicht möglich ist, an einer Sache die guten UND die schlechten Sweiten zu sehen und dazu zu stehen. Klar haben wir hier wunderschöne Landschaft, und auch sozial und kulturell geht hier mehr, als man meinen könnte. Andererseits gibt es hier natürlich die gleiche Piefigkeit wie andeswo in der Pampa, die es allen, die nicht aus dem gleichen 08/15-Odenwälder-Holz geschnitzt sind, schwer machen, sich hier zu integrieren. Ich weiß, warum z. B. alle schwulen Bekannten von mir nicht mehr hier leben.

Ich selbst kann mit der Rolle ganz gut leben, mittendrin zu sein durch meinem Beruf und doch am Rand zu stehen. Ich mag ja weniger im Wald herumchanten als früher, aber ich fühle mich sehr deutlich als Zaunreiterin zurzeit. Vielleicht trage ich daher auch mein Pentagramm fast nur noch offen sichtbar.

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