Bin wieder mal ein bisschen gelaufen, über den Bergrücken, vorbei an
Hügelgräbern und durch ein Tal, in dem es spuken soll; Farbtupfer auf
einem grauen Friedhof bemerkt. Danach etwas Leckeres gegessen aus meiner
Reihe "Verhasste Gemüse aus der Kindheit neu entddecken" - Wirsing
diesmal, mir noch schaudernd bekannt als verkochten stinkenden
Wirsingeintopf mit eklig fettigem Fleisch drinne. Doch angebraten mit
Chilischote, Knoblauch, Möhrenstreifen und Hokkaido-Scheibchen, mit
etwas Salz, Brühe, Zucker und Sojasoße abgeschmeckt, dazu noch eine Hand
voll Erdnüsse, Woknudeln dazu und mit einem Klecks Kokosnusscreme
garniert - lecker. Und - he, das war ja sogar vegan!
Ach, ich esse einfach zu gerne.
Einer anderen oft vermissten Freude habe ich mich beim Laufen hingegeben
und nachgedacht - diesmal über das erste Drittel von Laings "Das
geteilte Selbst", in dem er ein ontologisches Modell von schizoiden
Störungen vorstellt, das ich sehr einleuchtend und vor allem einfühlbar
fand. Es geht dabei darum, dass Schizoide von sich annehmen, ein "wahres
Selbst" zu besitzen, das aber sowohl mit dem Körper als auch dem
sozialen Ich nicht deckungsgleich, ja, vielleicht nicht einmal
nennenswert verbunden ist. Viele Abwehrmechanismen sind nötig, um dieses
"wahre Ich" vor den empfundenen Zumutungen und Gefahren der Welt zu
schützen, der wiederum "falsche Ichs" vorgespielt werden; doch ohne
echten Austausch mit der Welt da draußen wird das kostbare "wahre
Selbst" immer irrealer, substanzloser und fragiler und irgendwann leer.
Das jonglierte ich im Kopf mit Goffmans Rollentheorie und westlichem
Zen-Buddhismus herum und verglich es mit den psychologischen Typen nach
Riemann.
Wenn man zu viel mit jemandem zusammenhängt, der sich wie meine demente
Mutter leider eher auf kindlichem Abstraktionsniveau bewegt und nach so
einem Tag Geplapper einen Matschkopf hat, der kaum noch klare Gedanken
fassen kann (wie halten Vollzeitmütter und Kindergärtnerinnen das
aus!?), ist es richtig lustvoll und dopaminausschüttend, zu DENKEN. Ich
muss mir unbedingt noch ein paar Sachen dazu notieren. Irgendwie habe
ich das Gefühl, ich habe etwas wichtiges verstanden.
Vielleicht bekomme ich auch nur Migräne, davor habe ich oft das Gefühl,
ganz schlau zu sein ;-).


1 Kommentar:
(wie halten Vollzeitmütter und Kindergärtnerinnen das
aus!?)
Liebe Bodecea,
manchmal habe ich echt das Gefühl eine Matschbirne zu haben. Ich habe nur morgens 1-2 Stunden in denen niemand mit mir spricht, ansonsten textet ( liebevoll gemeint) mich den ganzen Tag jemand zu. Am tollsten finde ich im Moment das Wachwerden morgens um 5.17 Uhr - Mama bist du wach, können wir Buch lesen ? - und dann steht das kleine Mündchen den ganzen Tag nicht mehr still. Was mir hilft ? Lesen und Konzentrationsspiele ... Ich wünsche Dir eine gute Woche.
Liebe Grüße - die Sammlerin
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