Höre in dem alten Kassettenspieler im alten Auto meiner Mutter noch ältere Kassetten von mir, wie "Thunder and Consolation" von New Model Army.
Wahrscheinlich wiederhole ich mich, wenn ich davon rede, dass alles recht anstrengend ist, aber Wandern alles etwas leichter macht. Eulengrüße, Rabengrüße von den Göttern. Etwas Regen hat wieder einen Hauch von Grün auf die vertrockneten Wiesen gezaubert. Ich bewege mich mal träge, mal verkrampft hin und her zwischen aktuellen Belastungen und alten Erinnerungen.
Ich frage mich, wohin all die Menschen gegangen sind, die man über die Jahre so aus den Augen verloren hat. Ob die wohl auch alle, so wie ich, tapfer ihr Leben leben mit all den kleinen Annehmlichkeiten und großen Zumutungen, mit Ehepartnern und Häusern und Kindern und Autos, mit Jobs und Jobsorgen, mit Behördenbriefen und Einbauküchen und all den anderen Sachen, die wir noch nicht hatten, als wir vor 20 Jahren die gleiche New Model Army-Kassette hörten.
Und ich frage mich, ob sie, so wie ich (zumindest an Tagen zu nahe an Belastungsgrenzen, Neumond oder hormonellen Unpässlichkeiten), so stark das vermissen, was sich seitdem Jahr für Jahr immer mehr aus dem Leben herausgeschlichen hat: die endlosen Nächte am Lagerfeuer, das Feiern, ohne an Morgen zu denken, das illusorische Gefühl, dass alles im Leben noch möglich ist, dass man jeden Moment einen wunderbaren Tanz beginnen könnte, der niemals endet.
5 Kommentare:
Nun, ich denke, was Du beschreibst, dieser Verlust des Urvertrauens, und der Leichtigkeit des Seins geht einher mit dem In-die-Jahre kommen. Die Zeit, früher eine nicht fassbare, unvorstellbare Grösse wird plötzlich überschaubar und immer klarer wird, dass das das ganz grosse etwas, die überraschede Wendung, die alles anders macht und in wunderbare Bahnen lenkt, niemals kommen wird.
Die Aufgabe, die sich dann stellt ist das akzeptieren der Realitäten. Schafft man das ohne allzusehr zu verbittern erlangt man wohl so etwas wie Zufriedenheit.
Wunderschöner und wunderbarer Gedankengang!
Ich denke in letzter Zeit ähnlich, dabei bin ich noch gar nicht "soo" alt.
In der heutigen Gesellschaft hat die Zeit eine viel zu wichtige Rolle.
Es ist nie zuspät um etwas von Damals ins Heute zu holen. Besser als nur wehmütig zurück zublicken.
;)
Du kannst davon ausgehen, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, mal schwerer, mal leichter.
Wenn du die "Verschwundenen" vermisst, vielleicht kannst du ja mal versuchen, die Kontakte wieder aufzufrischen. Manchmal entsteht was neues Schönes daraus, manchmal fällt einem sofort wieder ein, warum man denjenigen aus den Augen verloren hat...
Liebe Grüße, Alruna
Ach, eigentlich wollte ich ja wiederum für nichts in der Welt 17 sein. Heute weiß ich immerhin, wo ich stehe und wie - und dass! Aber die Histrionikerin in mir schätzt das Gefühl von offenen Möglichkeiten.
Was die anderen tun - von denen, von denen ich es nicht weiß, will ich es auch kaum wissen. Oder?
Bodecea
Ich hole gerade meine Blogleserei seit Mai nach... ja, und ich hab auch diese Cassette gehabt! Ich habe die auch so lange immer wieder gehört, wie ich noch Abspielgeräte dafür hatte. Ich glaube, ich brauch sie als MP3's, auja.
Den Blogeintrag finde ich voll traurig und wehmütig. Naja, NMA ist auch wehmütig. Also passts doch.
Die Wehmut macht aber aufmerksam dass man dem ganzen Utopiakram und der Kunst einen Platz im Leben geben muss.
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