13 Mai 2011

Komfortzone

Was gibt es zu sagen?

Die Tage sind vom Wetter her schöner, als man für Mai hoffen kann. Auch
wenn ich natürlich weiß, es sollte regnen, den Wiesen und Bauern
zuliebe, und ich weiß auch um alle Probleme mit dem Klimawandel - so
muss ich doch immer schmunzeln, wenn ich irgendwo höre: das ist ganz
schlimm, wir könnten hier ein Klima bekommen wie - in Italien!

Wie gesagt, viel an den Haken und nicht nur erfreuliches, Pflege und
Beruf sind schwer zurzeit, und dazu Hausfrauenpflichten und dann auch
noch Kreativität? - da ist ganz schön schwer, halbwegs heiter und
relaxed zu bleiben, und doch gelingt es immer wieder ganz gut. Mal tu
ich mir Leid, dann tu ich mir gut.

Ich schüttel immer wieder den Kopf, wenn ich von diesem neuen Ausdruck
lese - er scheint mir erst seit kurzem gebräuchlich zu sein - man müsse
sich aus seiner "Komfortzone" herausbewegen. Klingt ja nach etwas, wo
alle erst mal dazu nicken - jaja, nicht immer nur bloß bequem auf dem
Sofa hocken, sondern auch Neues wagen, sich weiterentwickeln, etc. pp.

Andererseits geht mir dieses Selbstoptimierungblabla tierisch auf den
Geist. Ich habe mich in meinem Leben - auch in sehr faulen und bequemen
Phasen - nie lange in einer Komfortzone befunden. Wenn das Leben meint,
es müsste uns mal ein paar Erkenntnisstufen bergan jagen, dann tut es
das. Wir verlieben und und entlieben uns, wir meistern Ansprüche in
Schule, Ausbildung und Job oder scheitern daran, wir werden krank, wir
sehen Mitmenschen sterben, wir müssen Dinge stemmen, von denen wir gar
nicht ahnten, dass sie auf uns zukommen, müssen zu früh oder zu spät
Eltern werden, müssen lernen, wie wir etwas am Haus reparieren können,
anders essen, gärtnern. Müssen Demütigungen einstecken, Rückschläge,
müssen auch Zeiten durchstehen, wo es gar nicht weiterzugehen scheint,
wo das Wogen und Zerren in uns selbst uns in Atem hält, uns beinahe
zerreißt.

Und ab und zu kommen auch wunderbarerweise Tage, Wochen, Monate, in
denen alles ganz leicht wird, wunderbar, wo das Leben ein langer Urlaub
ist mit Weißweinschorle auf der Terrasse und Urlaub am Meer, mit
herrlich sinnlosen Gedanken, ohne Anstrengung, nur mit Lust und
Leichtigkeit. Und wer dann schreit "da, KOMFORTZONE, nichts wie raus,
schnell die nächste Sprosse erklimmen, hopphopp" - der kann mich mal.

3 Kommentare:

ilinga hat gesagt…

Du sprichst mir absolut aus der Seele!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende ;)

Diana Kennedy hat gesagt…

Ja, ich frage mich manchmal was für ein Leben Leute, die sich solche "Weisheiten" ausdenken, überhaupt führen. Ist ja schön wenn es tatsächlich Leute gibt, deren Existenz eine einzige Komfortzone ist, aus der man mal heraustreten sollte , um zu lernen dass es auch noch was anderes als das eigene Glück gibt. Aber verschonen sollen Sie bitte den Rest der Menscheit mit ihtren "Erkenntnissen".

Bodecea hat gesagt…

Liebe Diana, ich finde den Begriff ja schon in seiner Verwendung total irreführend. Unter komfortabel verstehe ich: bequem, angenehm, behaglich. Aber die Menschen, denen vorgeworfen wird, sie würden nicht "aus ihrer Komfortzone herauskommen", sind jene, die gar nicht da leben! Der Arbeitslose, die Hausfrau mit Kindern, die sich überlegt, ob sie was dazuverdienen muss, alle in prekären Beschäftigungen und die, die es einfach aufgrund wie auch immer gearteter Mängel nicht schaffen, leider, das Leben als schöne große bequeme Sache anzusehen - durchaus unabhängig vom Einkommen.


Aber WENN ich das Leben als eine schöne, bequeme Sache sehe und alles gerade fluppt - wieso es DANN ändern?

Bodecea