16 Mai 2011

Fromme Gedanken

Blätter in letzter Zeit in Erich Fromms "Haben oder Sein" herum. Ich bin zwar kein großer Fan von Fromm und finde es immer zum Schmunzeln, wie in den 70ern in jedem Buch Marx ordentlich zu Wort kommen musste, und dennoch - ich finde die Lektüre gedanken-anregend, stellt sie doch der Lebensweise des Habens - "der heutigen Lebensweise", schreibt Fromm, dabei geht es um die Zeit meiner Geburt, durchaus bescheidene und wenig konsumorientierte Jahre verglichen mit heute - der Lebensweise des Seins gegenüber. Haben heißt - Dinge besitzen, Hauptsache, "man hat es". Geld, Autos, Frauen, Doktortitel. Sein setzt mehr darauf, zu (er)leben.

Gleichzeitig lese ich ein nicht besonders gut geschriebenes Buch von einem jungen katholischen Theologen und Journalisten, der 40 Tage das Exil-Kloster des Dalai Lamas in Nordindien besucht. Zu seinem Erstaunen besitzen selbst die ärmlichsten Mönche in geflickten Kutten ein Handy - weil es praktisch ist und das Leben vereinfacht! Sonstiger moderner Besitz macht das Leben nicht einfacher und wird daher (offiziell) von den Mönchen gar nicht angestrebt.

Rezensionen kommen noch.

Ich bin ja weder erleuchtet noch buddhistische Nonne, ja, nicht mal Veganerin, aber ich muss gestehen, dass "neue Dinge haben wollen" immer weniger zu meinen Gelüsten zählt. Deswegen sind immer alle auf mich sauer, wenn ich keine Antwort auf die Frage weiß, was ich mir zu diesem oder jenem Anlass wünsche - ein paar Bücher mal ausgenommen.

Hauptsache, ich kann in die Wälder. Die Vorstellung, nur noch in einer Stadt zu leben zu müssen, macht mich richtig kribbelig. Vielleicht brauchen die Menschen in der Stadt deswegen so viele Dinge, weil sie das nicht haben, was für alle in der Pampa kostenlos einfach da ist - Natur, Wälder, Berge, Meer.

2 Kommentare:

Diana Kennedy hat gesagt…

Interessant: Wenn ich in der Stadt weile (zB in Basel) bin ich deutlich mehr von der Gier nach Konsum getrieben, als hier auf dem Land, wo ich Sparsamkeit und Genügsamkeit als Lebensstil schätze.
Das hat sicher etwas mit der Natur zu tun, die Leere füllt, aber vieilleicht auch, ganz profan damit, dass man in der Stadt durch die vielen Plakate und Schaufenster eher zum Konsum angeregt wird.

Alruna hat gesagt…

Mein Konsumverhalten hat sich nicht großartig verändert im Laufe der Zeit. Ich brauche nicht viel und Mode/Schuhe und so haben mich noch nie wahnsinnig interessiert. Aber bei Büchern, Steinen und "magischen" Gegenständen aus aller Welt kann ich nicht widerstehen. Brauchen tut man das nicht wirklich, aber diese Dinge machen mich einfach total glücklich.