Ich schaue immer noch leicht erstaunt in die verschneite Landschaft; Schnee Ende November, das gibt es zwar nicht zum ersten Mal, aber ich bin noch nicht im Winter angekommen. Heute ziemlich viel mit dem Auto herumgekurvt, zu meiner Überraschung hat das trotz Schnee und Eis Spaß gemacht. Habe für meine Mutter, die morgen Geburtstag hat, ein paar Kleinigkeiten gekauft, den Dentisten meines Vertrauens besucht, der meint, meine Zahnlücke heile gut, und mich mit diversen Yogi-Tees und Nachahmerprodukten eingedeckt.
Apropos Mutter - habe "legales Personal" und theoretische Geldquelle für zwei freie Nachmittage im Monat aufgetan; jetzt muss eigentlich "nur" noch die Pflegekasse mitspielen und mir diese "Verhinderungspflege", so nennt sich das, bewilligen - und bezahlen.
Et moi?
Ganz gut, ein paar Dinge in verschiedenen Bereichen, um die ich mir ein bisschen sorgenvolle Gedanken mache, aber nicht so schlimm... las in der Zeit, "wir Nordeuropäer" neigten genetisch mehr zum Sorgenmachen, weil über Jahrtausende die Sorglosen in den langen kalten Wintern ausgestorben sind; ob das stimmt? Genausogut hätten sich all die besonders Sorgenvollen in den langen kalten Wintern umbringen können!
Und: Überraschung, weil ich, seit ich die Wege des Buddhismus und vor allem des Zen als nicht zu mir passend,als zu unfroh, zu deprimierend, zu künstlich, zu wenig kraftvoll abgetan habe - eine große Erleichterung! Ah, back to Mama Goddess' roots! - dennoch merke, dass ich tendenziell immer mehr davon befolge.
Lese gerade ein paar Bücher von Thich Nhat Han und lache, weil er das beschreibt, was ich immer als die kleine kühle Frau im Oberstübchen bezeichnet habe, die wahrnimmt, analysiert und benennt, wenn ich wütend bin oder traurig oder aufgeregt oder sonst was. Ich finde es sehr erleichternd, wenn ich diese Gefühle so wahrnehme, ohne darüber zu grübeln. Ich habe gemerkt, dass meine oft wenig an reale Lebensumstände gebundenen Stimmungsschwankungen eher extremer werden, wenn ich grüble - wieso bin ich traurig? Oh, meine leidvolle Teenagerzeit, mein berufliches Versagen! Grübel, was war der aktuelle Auslöser? Jener Brief oder doch die Dunkelheit? usw. usw. usw.
Besser, nur zu sehen - ich bin sorgenvoll. Ich atme ein und spüre es, ich atme aus und spüre es. Ich trinke Rosentee und merke, wie gut der schmeckt. Ich kann mit beidem gut leben, der Sorge und dem Rosengeschmack.
Dennoch: ich werde NICHT über verwesende Leichen meditieren!
4 Kommentare:
Na, das mit der genetischen Disposition zum Sorgen-Machen von Nordeuropäern halte ich für typischen Wissenschaftsschrott im brackigen Fahrwasser der derzeitigen Mode, auch ja alles biologisch und möglichst rein gar nichts sozio-kulturell erklären zu wollen.
Daumendrück für die Krankenkasse, dass die mitspielt. Du brauchst so viel wie möglich Entlastung.
How do I explain *my* genetic disposition to worry, then...?! I suppose I was a Northern European originally...:)
irgendwie tut es gut, auch von anderen frauen zu lesen, daß sie zum (zer)grübeln neigen. wenn ich meine grübeleien und meine sorgen zu sezieren versuche ("was ganz genau macht mich so besorgt und unfroh?"), dann kommt irgendwie nur "kram" dabei heraus, der eigentlich ganz unsinnig ist und gar nicht soviel gewichtung verdient hätte. sich für alles und jeden verantwortlich zu fühlen, sich zu sorgen KANN positiv sein, sofern es nicht zu einer belastung wird, die frau nicht mehr tragen kann. ich lerne auch gerade, mit sorgen und streß umzugehen. ein langer weg.
Östliche Philosophie ist auch irgendwie nicht für die Mentalität der Westler geeignet (mal so pauschal dahingesagt), auch wenn viel Weisheit darin liegt. Zen-Meditation ist für mich unruhigen Geist die reinste Vergewaltigung. Da mache ich doch lieber eine "Andersweltreise" oder einen meditativen Spaziergang.
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